Rassismus gegen Nichtmuslime an einer Brennpunktschule „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Erfahrungsbericht einer Schülerin (Initiative an der Basis)

Erfahrungsbericht von Schülerin Marie A.

Rassismus gegen Nichtmuslime an einer Brennpunktschule „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“

Ich wohne in Hessen, bin 19 Jahre alt und Deutsche. Ich möchte euch erzählen was mir in meiner Schulzeit wiederfahren ist. Das ist meine Geschichte.

Als ich damals von der Grundschule in die weiterführende Schule kam (eine Schule in Süd-Hessen), war das für mich eine ziemliche Umstellung. Auf einmal waren 2/3 der Klasse ausländischer Herkunft, es gab einen freiwilligen Türkisch-Unterricht und freitags gingen viele zur Moschee. Auf einmal wurde der Islam plötzlich sehr präsent in meinem Leben. Mein Sprachausdruck veränderte sich rasant; ich habe dieses ,,Ghetto-Deutsch“ wie Digga, ey Bruder, oder ma sha Allah, wallah unbewusst in meinen täglichen Sprachgebrauch eingebunden. Es ging plötzlich nur noch um den Islam in meinem Leben. Ich war von Muslims umgeben.

In der 5. Klasse hat sich nicht nur meine Sprache gravierend verändert, sondern auch meine Kleidung. Davon abgesehen, dass man sehr auf Marken achtete, war es für mich noch wichtiger geworden, mich ,,bedeckt“ zu bekleiden. Zur Schulzeit achtete ich immer stets drauf ,,bedeckt“ wie die meisten anderen Schülerinnen zur Schule zu gehen; so habe ich mich am wohlsten gefühlt. Mädchen, die kurze Hosen oder Oberteile mit betontem Ausschnitt anhatten, galten als Schlampe. Ja, ich bin im Sommer nie mit kurzer Hose in die Schule gegangen, ich hatte immer lange Hosen, T-Shirts und immer eine Jacke an. Nie trug ich Kleider oder kurze Hosen oder kurzärmelige T-Shirts. Solche Kleidung war dort ,,verpönt“. Egal, ob es 30 Grad oder wärmer draußen war und ich geschwitzt habe; die Jacke wurde zum ,,Schutz“. Ich habe mich angefangen, mich zu schämen, wenn ich in der Pause nur im T-Shirt rumlief. Man wurde massiv beobachtet und hinter seinem Rücken wurde gelästert. Ich wollte ja nicht als Schlampe rüberkommen.

Sobald ich zu Hause war, zog ich mich normal an, besonders im Sommer freute ich mich endlich nach Hause zu kommen, um kurze luftige Sommersachen anzuziehen. Da fühlte ich mich immer richtig befreit. In der Schule dachte ich anders. Dabei handelte es sich bei meiner Freizeitkleidung um ganz normale europäische Kinderkleidung; eigentlich nichts Verwerfliches. Die religiös geprägte Kleiderordnung wurde auch von der Schulleitung unterstützt: Der Schulkodex verbot es, Hotpants kürzer als Knielänge und Tops mit Spaghettiträgern anzuziehen.

Die Weiterführende Schule war damals eine Schule mit Förderstufen-System. Heißt man war von der 5. – 6. Klasse, in den Hauptfächern Deutsch, Mathe, Englisch in (A = Gymnasium niveau, B = Realschul niveau, C = Hauptschulniveau) Kursen eingeteilt. Nach der 6. Klasse wurde dann entschieden ob man in die Haupt/ – oder Realschule oder auf das Gymnasium geht. Ich kam in der Realschule. Das System gibt es heute nicht mehr, heute ist es eine integrierte Gesamtschule. Der Schulleiter war Mitglied der CDU.

Die Schülerschaft teilte sich in Gruppen; man könnte sagen, jede Nationalität bildete ihre eigene Gruppe, Mädchen und Jungen waren strikt getrennt. Diese Gruppen waren immer eng zusammen, vor allem in den Pausen. Ich bekam mit, dass in muslimisch geprägten Gruppen allgemein schlecht über ,,freizügigere Kleidung der Schüler“ gelästert wurde, und über die deutschen Jungen und Mädchen: Egal ob es um Kleidung, einer Kurzhaar-Frisur bei einem Mädchen, am Schweinefleisch-Essen oder ob jemand schon einen feste/n Freund/in hatte usw. All das sei ,,Haram“. Ich selbst hab damals in der 5. Klasse schnell verstanden wie der Hase läuft und habe mich in eine passende Gruppe eingefunden. Somit war mir gesichert, dass ich nicht gemobbt oder als Außenseiter ausgegrenzt wurde. Aber wenn ihr jetzt denkt, dass die europäischen bzw. deutschen Jungen keine Probleme hatten, irrt ihr euch. Sie hatten genauso Probleme wie wir deutschen Mädchen. Nichts wurde an ihnen akzeptiert, weder ihre Kleidung, noch ihre Handlungen, noch Freizeitaktivitäten – sie waren stets zu „deutsch“. An der Kleidung waren Jeans und Pulli zu deutsch. Angesagt war es mit Marken zu protzen und vor allem Sportanzüge und Umhängetasche zu tragen. Ein Baumhaus bauen oder generell etwas zu Sägen, im Wald spielen, mit dem Fahrrad fahren oder eine Radtour mit den Eltern machen, im Sommer Zelten oder – als wir älter waren – mal ein Bier zu trinken bei einer Feier, nichts war akzeptabel. Auch das ,,deutsche“ Schweinefleisch-Schulbrot wurde abfällig kommentiert; also eigentlich wurde nichts akzeptiert, wir waren die ,,dummen Almans“.

Zeichnung Marie A.Eine weitere Veränderung für mich als ich älter wurde, waren die öffentlichen Verkehrsmittel, hauptsächlich der Zug, mit dem ich zu Schule hin und zurück fahren musste. Die Menschenmenge überrumpelte mich. Mir wurde nachgepfiffen und hinterher gelaufen von Flüchtlingen. Diese Angst, zum Bahnhof zu laufen, wurde immer schlimmer. Ich erzählte es meiner Familie, aber es nahm mich keiner ernst. Allein der Gedanke dass ich Nachmittagsunterricht habe und gleich wieder zum Bahnhof laufen und dort eine Stunde auf den Zug warten muss, war sehr schlimm für mich. Damals habe ich die ein oder andere Angstträne vergossen. Der Weg von der Schule zum Bahnhof dauerte ca. 10 Minuten. In diesen 10 Minuten achtete ich darauf besonders langsam an den Häusern vorbeizulaufen, um im Notfall klingeln zu können. Am Bahnhof angekommen, versuchte ich mich zu Erwachsenen zu stellen, die vertrauenswürdig aussahen. Auch im Zug versuchte ich mich, falls ich mich überhaupt setzte, zu älteren Leuten zu setzen, oft stand ich auch an der Tür wo die Notsprechanlage war ( damals sind noch die alten DB Züge gefahren. Ich hatte von der Schule bis zum Bahnhof Angst davor z.B.: dass ich belästigt und verfolgt wurde oder Schlimmeres. Flüchtlinge saßen in Gruppen am Bahnhof auf dem Boden. Sie pfiffen und riefen mir hinterher und blockierten mir teilweise den Weg. Einmal lief mir einer hinterher, zum Glück kam eine erwachsene Person, in dem Moment drehte sich der Typ um und lief zurück zu seiner Gruppe. Mein Herz pochte jedes Mal, bis ich dann endlich zu Hause war und in Sicherheit.

Einmal als ich in der 6. Klasse war, wir hatten Unterricht in den jeweiligen Kursen, da hörten wir auf einmal laute Schreie. Unser Lehrer sah nach. Es stellte sich heraus, dass eine alte Lehrerin, die im selben Jahr noch in Rente ging, in der Klasse gemobbt wurde und ihr gedroht wurde. Diese Lehrerin unterrichtete den C-Kurs. Ein ausländischer Schüler wollte einen Tisch nach der alten Lehrerin werfen.

Ich erlebte auch dass auf einmal angebliche Lehrer uns unterrichteten, die gar keine Lehrer waren. Wir hatten diese Art von Lehrern vor allem in Vertretung.

Ein Lehrer ist bis heute in meinem Gedächtnis. Wir hatten ihn oft im Vertretungsunterricht. Ich habe einen richtigen Ekel vor ihm gehabt. Sobald der Lehrer zur Tür rein kam, strahlte er Gewalt aus. Er war kräftig, trug einen Bart und war sehr radikal Religiös eingestellt. Bei ihm unterhielt man sich oft über den Islam; vor allem wurde negativ über Frauen gesprochen. Es wurde festgelegt, dass Frauen sich um den Haushalt kümmern sollten und sowieso der Mann das letzte Wort haben sollte: „Die Frauen werden immer ungehöriger hier in Deutschland.“

Oft wurden Nicht-Muslime einfach ignoriert, wenn sich meldeten oder etwas sagen wollten. Ich habe mich immer unwohl bei dem Lehrer gefühlt, er hat mir ein minderwertiges Gefühl gegeben. Muslimische Schüler riefen oft in den Unterricht rein, ich tat das manchmal auch, wurde aber ignoriert. Mit ihm wurde auch in dessen Muttersprache Türkisch gesprochen. Einmal drohte er mir, mich zum Schulleiter zu schicken, wenn ich nicht leise sein würde, obwohl ich nur etwas in normaler Lautstärke gesagt habe.

Der Sportunterricht war auch eine Sache für sich: während wir nicht-muslimischen Schülerinnen aufbauten und abbauten und Sport treiben mussten, durften ein paar muslimische Schülerinnen mit Kopftuch auf der Bank sitzen bleiben. Da es ihnen von zu Hause aus und aus religiösen Gründen verboten war, beim Sport mitzumachen. Bei der Notenvergabe stand bei ihnen ein leeres Feld. Es macht mich bis heute noch wütend und sehr sauer. Warum soll ich mir einen abrackern und benotet werden, wenn die anderen da sitzen dürfen und sich ohne Anstrengung unterhalten. Einmal sagte ich das auch der Sportlehrerin, dass ich mich ab jetzt auch zu denen hinsetzten werde und nichts tun würde. Da schaute sie mich mit großen Augen an und sagte das ginge nicht, da ich eine Deutsche bin und kein Kopftuch trage. Außerdem Sprachen diese Menschen dauernd in ihrer Muttersprache, obwohl laut Schulkodex Deutsch gesprochen werden soll. Dagegen sagte aber nie jemand etwas, es wurde einfach akzeptiert.

Es gab einen katholischen Kurs, ein evangelischen Kurs. Außerdem zwei Ethik Kurse, die überlaufen waren, dort waren vor allem Muslims drin. Schon damals haben wir im Unterricht nur sehr wenig über unsere Religion (Christentum) gelernt. Eher war der Islam auf dem Lehrplan präsent. Ich habe mich damals besser mit dem Islam als mit meiner eigenen Religion ausgekannt. Das hat mir damals schon nicht gut gefallen, aber ausgesprochen habe ich das nie. Dann sollten wir auf einmal einen Ausflug in die Moschee machen, da habe ich meiner Lehrerin gesagt, dass ich daran nicht teilnehmen möchte, die Ethikkurse besuchen ja auch keine Kirche sondern schauten gefühlt das ganze Jahr über Filme (Komödien, Action, Science Fiktion). Ich wollte da nicht mit; seit mehreren Schuljahren beschäftigten wir uns nun schon mit dem Thema Islam, sowohl im katholischen Kurs als auch im evangelischen Kurs. Wir schauten Filme über den Islam, malten Bilder, schrieben Tests und Arbeiten, lernten den Aufbau der Moschee, sowie Wörter. Somit rief meine evangelische Religionslehrerin meine Mutter an. Sie war sehr bestimmend, aufmüpfig und wurde laut am Telefon. Sie sagte, dass ich an dem Ausflug teilnehmen muss, es sei Pflicht und drohte uns dann mit einem Strafgeld, falls ich nicht kommen würde. Somit musste ich mit und dementsprechend war meine Stimmung auf dem Ausflug. Als wir dann in der Moschee ankamen wurden wir sehr freundlich von einem Muslime begrüßt. Er war überfreundlich, sehr zuvorkommend, er zeigte uns alles, gab damit an, dass die Moschee über 5 Millionen Euro gekostet habe und der Staat also deutsche Steuerzahler einen Teil dazu beigetragen haben. Als highlight durften wir (evangelisch und katholisch Kurs) dann mitbeten. Ein paar Schüler und ich wollten nicht teilnehmen, mussten aber den anderen beim Beten zuschauen. Am Ende wurden uns Broschüren in die Hand gegeben. Die ganze Zeit dort hatte ich das Gefühl, dass die Menschen uns dort werben wollten zu konvertieren und andere hatten dieses Gefühl auch.

Uns wird bewusst der muslimische Glauben aufgezwungen. Muslimische Feiertage oder das Fasten spielten an der Schule eine große Rolle. Es gab auch Feiertage wie z.B. das Opferfest, wo Muslime dann vom Unterricht freigestellt wurden. Dass im Gegenzug Muslime auch mal eine Kirche besuchen müssten oder Bräuche aus unserer Kultur mitmachen, gab es nie.

In meiner Zeit an dieser Schule habe ich mich nicht akzeptiert gefühlt (ich wurde nicht gemobbt); ständig bekam ich und auch andere Deutsche zu hören: ,,du Alman, du Nazi, ey sei leise, Frauen haben keine Rechte, geh in die Küche und mach essen“ wurde oft zu uns gesagt, „was willst du hier in der Schule, heirate mal, eine Frau ist nur da, um in der Küche zu stehen, verpiss dich, du Hayvan (übersetzt heißt das Tier oder Vieh), nur im Koran steht die Wahrheit, der Islam ist die einzig wahre Religion“.

Bei Geburtstagen konnte man eine Kleinigkeit mitbringen, musste aber immer drauf achten, dass Süßigkeiten und Kuchen ja keine Gelatine enthalten, damit alle etwas nehmen können.

Ich finde, dass wir Deutschen uns schon sehr früh anpassen müssen. Es fängt ja schon im Kindergarten an, kein Schweinefleisch oder Erzeugnisse mit Schweinefleisch waren erlaubt. Auch das Essen vom Catering war schweinefleischfrei aus Toleranz gegenüber Muslimen. Aber wenn die das nicht essen wollen oder dürfen, können die dann nicht einfach das vegetarische Gericht essen? Wenn einer von den Muslimen Geburtstag hat, würden sie uns ja auch nicht aus Toleranz uns gegenüber Bratwürste aus Schweinefleisch oder Süßigkeiten mit Gelatine hinstellen. Dieses Tier wird ja regelrecht verboten. Was eigentlich Teil unserer Kultur ist wird uns, dem eigenen Volk, von einer anderen Kultur, die hier eigentlich nur Gast ist, regelrecht verboten. Und das war nur ein Beispiel. Denn Religionsfreiheit gab es in der Schule auch nicht. Dort gab es nur den Islam „Alhamdullilah“; eine andere Religion wurde nicht akzeptiert. Wenn die Muslime nur das Wort Gott hörten, bekam man zu hören, es gibt nur einen Gott, der heißt Allah. Als dann immer der Ramadan-Monat angefangen hat, mussten wir auch besondere Rücksicht nehmen, es wurde sich ja schon beschwert, wenn jemand an seiner Wasserflasche getrunken hat.

Eine andere Lehrerin war Deutsche, sehr sportlich, hatte lange blonde Haare und konnte leicht eingeschüchtert werden. Dazu kommt, dass sie sehr verpeilt war; trotzdem war sie immer sehr nett. Man konnte ihr z.B. Sachen wegnehmen, ihr Lügengeschichten erzählen, die sie glaubte. Man konnte auch Schreiben von den Eltern mit Unterschriften fälschen, ohne damit sie etwas merkte. Ihr gegenüber zeigten bei uns in der Klasse nur wenige Respekt. Es war immer laut in der Klasse, sie hielt den Unterricht sozusagen für sich alleine vorne an der Tafel ab. Keiner hörte ihr richtig zu. Sie bekam oft dumme Sprüche vor allem von den muslimischen Jungen zu hören. Ich möchte zu der Lehrerin noch eine Geschichte erzählen eher zu einem Ereignis. Wir schrieben einmal eine Mathematikarbeit, die Klasse war wieder sehr laut, so laut als würden wir in einer Gruppenarbeit zusammenarbeiten. Ein muslimisch-pakistanischer Schüler, der nie die Wahrheit sagte und generell sehr respektlos war, filmte die Klassenlehrerin und die Klasse, er machte sich darüber lustig, dass der Lehrerin gegenüber kein Respekt gezeigt wurde. Die Lehrerin saß an ihrem Pult und versuchte, die Klasse ruhig zu bekommen, ohne Erfolg. Wie gesagt, es war laut wie bei einer Gruppenarbeit. Das Video wurde anschließend in die Klassengruppe verschickt und verbreitete sich von dort. Nach ein paar Tagen rief mich die Lehrerin nach dem Unterricht zu ihr, ich sollte großen Ärger bekommen. Die Lehrerin hatte von dem Video mitbekommen, und anscheinend hatte der muslimische Pakistaner gesagt, ich sei es gewesen. Zum Glück konnte ich anhand des Videos beweisen, dass ich es nicht war, denn ich wurde ebenfalls gefilmt, wie viele andere Klassenkameraden auch. Die Lehrerin ist nie zur Schulleitung gegangen, weil sie Angst hatte vor dem Schüler. Aber auch, weil unser Schulleiter sehr links war und in vielen anderen Fällen die Täter in Schutz genommen hat und man am Ende als Opfer selbst schuld war. Der Pakistaner musste nur den Schulkodex abschreiben.

Wo dann 2015 die erste Intensivklasse (Flüchtlingsklassen) mit ca. 30 Schülern kam, wurde es sehr turbulent. Das Islamische war präsenter als zuvor. Die Flüchtlinge kamen aus Mazedonien, der Slowakei, dem Irak, aus Süd-Korea und aus Syrien. Schon damals habe ich bemerkt, dass das keine Flüchtlinge sind. Wenn man mit einem Teil von Ihnen ins Gespräch kam, die etwas Deutsch oder Englisch konnten, kam heraus, dass sie aus keinem Kriegsgebiet kommen, sondern nur wegen der Arbeit oder wegen Harz IV hier sind; Letzteres hörte man vor allem von den Syrern und Irakern. Außerdem schickten sie monatlich Ihr Geld nach Hause, was dort sehr viel wert war, um davon Häuser zu kaufen. Alle hofften auf eine Familienzusammenführung. Die Sprache Deutsch wollte von den meisten nur sehr langsam gelernt werden. Die deutschen Schimpfwörter hatten die ,,Flüchtlinge“ schnell drauf.

Für ein paar Unterrichtsstunden wurde die Intensivklasse aufgeteilt. Zu uns kamen zwei nicht-muslimische Schüler, die kein Wort Deutsch verstanden. Sie hielten den Unterricht dadurch auf. Meiner Meinung nach wäre es besser gewesen, diesen Schülern erst einmal Deutsch beizubringen, so dass diese auch kommunizieren können und verstehen, was einem unterrichtet wird. Der Meinung ist auch eine Freundin von mir, die damals in der Intensivklasse war.

Als ich dann in die 9. Klasse kam, wurde eine Klassenfahrt festgelegt. Mir war schon klar, dass ich daran nicht teilnehmen mochte. Die anderen Klassenfahrten, die jährlich Stattfanden, waren jedes Mal unorganisiert und katastrophal gewesen. Es wurde nicht wirklich auf uns aufgepasst und es war für andere und mich jedes Mal ein Horror, sobald es losging. Z.B. gab es Klassenfahrten wo eine Schülerin dort ihr Bein gebrochen hatte, sie weinte und wollte zum Arzt, die Lehrer gaben ihr einen Kühlakku und ließen Sie mit uns, den anderen Schülern, alleine. Am Abend kam dann ihre Mutter, die wir Schüler vom Telefon der Rezeption aus angerufen hatten. Die Mutter brachte ihr Kind direkt in Krankenhaus. Als die Mutter damals ankam, war kein Lehrer da, da die Lehrer sich alleine einen lustigen Abend machen wollten. Und so wie diese Geschichte und die dummen radikalen frauenfeindlichen Sprüche der Jungs, verlief jede Klassenfahrt.

Daraufhin habe ich die Schule gewechselt. Ich war froh als ich von der Schule weg war. Ich wurde zwar nie gemobbt; aber der Umgang und das Klima an der Schule war mir als Frau und Deutscher und auch anderen gegenüber sehr abwertend.

Ich habe also dann meinen Abschluss an einer anderen Schule gemacht. Für mich war es zunächst schwer, dort Anschluss zu finden. Ich hatte ein anderes Denken all die Jahre gehabt. Mein Deutsch war unterirdisch schlecht geworden. Halt eben das normale Getto-Deutsch, das mittlerweile fast überall gesprochen wird.

Eine Umstellung war für mich besonders die Kleidung. Davor hatte ich im Sommer, egal wie warm es draußen war, immer eine lange Hose, langärmeliges T-Shirt Langarmpullover und Jacke mit Sneakers angezogen. In der ersten Zeit zog ich meine Klamotten auch weiterhin noch so an, bis ich mich wieder traute, mit einer sommerlich kurzen Hose, offenen Schuhen und T-Shirt in die Schule zu gehen. Am Anfang fühlte ich mich so nackt und unwohl; ich hatte auch Angst, dass etwas passiert. Ich fand es erschreckend, wie europäisch angezogen an der neuen Schule alle waren: Ich hatte Gedanken wie, ,,oh, ist das kurz, hoffentlich wird sie nicht vergewaltigt“, oder ,,wie nuttig sie angezogen ist, IN DER SCHULE sowas anzuziehen..“. Auf der anderen Seite war es sehr befreiend, alles war so einfach und normal. Es wurde deutsch gesprochen, man konnte anziehen, was man wollte und es wurde akzeptiert. Ich konnte sagen, wonach mir gerade war und essen, was mir schmeckte. Ich konnte mit Jungs reden und wir saßen zusammen. Ich kam mir erst so fremd vor, weil ich irgendwie eine andere Kultur (wie viele es nennen: Das islamische Kopftuch) im Kopf hatte. Eine Schülerin in der neuen Klasse zog sich für meine damaligen Verhältnisse immer besonders freizügig an. Man sah ihren Busen, die trug bauchfrei. Ich sprach sie auch einmal drauf an, ob sie keine Angst hätte und ob sie sich nicht schämen würde, sich so zu präsentieren. Die Antwort war „Nein, wieso?“ und jeder hat mich komisch angeschaut. Der Punkt war, dass sie etwas ganz normales anhatte, etwas Sommerliches halt.

Ich hatte mir angewöhnt, in der Schule anders zu denken. Sobald ich zu Hause war, verhielt ich mich normal ,,deutsch“ und war frei von den Zwängen meiner Schul-Denkweise. Ich bin froh dass ich die Schule gewechselt hatte und dadurch meine Denkweise wieder normal wurde und ich in der Schule wie zu Hause denken konnte.

Nach dem Abschluss weiß ich noch von der alten Schule, dass 1-2 Muslima direkt verheiratet wurde, von einer habe ich nie wieder was gehört.

Der Kindergarten und die Schule sind der Anfang unseres Lebens wo wir uns täglich aufhalten und aufwachsen. Diese Einrichtungen prägen uns.

Ich will nicht wissen was heut zu Tage an den Schulen passiert, alleine daran zu denken macht mir Angst. Wir Deutschen bekommen unsere freiheitliche Einstellung dort abtrainiert und lernen das Leben der Muslims mit zu leben. Unsere Eltern werden nicht gefragt und wir starten in das Leben und verändern unsere Kultur unbewusst, weil wir es nicht anders kennen. Wir wachsen nicht mehr in der Kultur unserer Eltern auf. Unsere Denkweise ist anders. Ich finde das schrecklich: Zu meiner Schulzeit wusste ich mehr über die Religion und die Kultur des Islam als über meine eigene. Wie kann sowas sein, das ist doch mein Land! Ich habe mir die Sprache Deutsch wieder angewöhnt, habe mir wieder angewöhnt akzentfrei, deutsch zu sprechen.

Jemand aus der Initiative hat folgende Erfahrung gemacht: Eine irisch-deutsche Familie mit 3 Kindern zog von Irland nach Deutschland, da der Vater hier einen Job angeboten bekommen hatte. Die Familie kaufte ein Haus und waren für fast 2 Jahre hier in Deutschland. Die zwei älteren Kinder gingen schon auf die weiterführende Schule. Dann wurde die jüngste Tochter in die 1. Klasse einer Grundschule eingeschult. Eines Tages wurde die Mutter von der Arbeit aus angerufen und gebeten unverzüglich zur Grundschule zu kommen, da etwas passiert sei. Die jüngste Tochter, die in der Grundschule war, war mit ihrer Freundin die einzigen zwei Mädchen in der Klasse. Sie hatten beide blonde Haare und blaue Augen. Die Grundschule wurde in diesem Fall auch von Flüchtlingen dominiert. In Ihrer Klasse waren vor allem Flüchtlinge und Ausländer mit muslimischem Glauben. Als die Mutter in der Schule eintraf fand sie ihre Tochter mit ihrem aufgeritzten T-Shirt vor, an ihrem Bauch war ein leicht blutiger Kratzer zu erkennen. Die Mutter war total geschockt, das Schlimmste war für sie, dass ihre Tochter nie etwas erwähnt hat. Ein Junge muslimischer Herkunft hat die Tochter mit einem Messer bedroht und verletzt. Die Lehrerin teilte Ihr außerdem mit, dass ihre Tochter und die Freundin öfters gemobbt, geschubst, spielerisch geschlagen werden von den Jungs aus der Klasse. Als die Mutter mit ihrer Tochter zu Hause war, fragte sie ihre Tochter, warum sie nie etwas gesagt hat. Die Mutter hat alle Kinder so erzogen, immer die Wahrheit sagen zu können, egal was war, sie konnten immer zu ihr kommen. Die kleine Tochter erzählte, dass sie es als etwas Natürliches empfunden hat, was ihr und ihrer Freundin alltäglich passieren würde. Sie sagte noch, dass beide oft auch als ,,Kartoffelfresser“ beleidigt wurden und auf dem Schulhof von muslimischen Mädchen beschimpft wurden. Die Tochter wurde dann psychologisch behandelt. Der Psychologe sagte, dass sie in einer parallelen Identität sei. Die Mutter tat sie dann auf eine Waldorf-Schule. Ihre Freundin musste alleine zurück in die Klasse, da die Eltern keine Möglichkeit und kein Geld hatten für eine Waldorf Schule. Die zwei älteren Geschwister haben dann auch angefangen zu erzählen, was bei ihnen auf der weiterführenden Schule alles passiert. Bei den zwei älteren waren dieselben Umstände, wie ich sie oben schon erzählt habe. Die Mutter hatte Angst um ihre Kinder. Kurz vor den Sommerferien fassten ihr Mann und sie den Entschluss, wieder zurück nach Irland zu ziehen. Somit verkauften sie Ihr Haus und zogen mit den drei Kindern wieder zurück nach Irland, wo sie nicht unter diesen Umständen leben müssen.

Ich möchte mit mir als Beispiel darauf aufmerksam machen, dass wir schon von klein auf im Kindergarten und Schule manipuliert werden. Wir nehmen es als etwas Natürliches an, so abwertend behandelt zu werden. Wir nehmen den Slang an und können uns nicht mal mehr richtig in unserer Muttersprache artikulieren. Durch das und mehr geht unsere deutsche Kultur langsam und unbewusst verloren. Ich bin auch gegen radikal-islamische Lehrer. Sie sind ja ein Vorbild für unsere Kinder, das verändert die Schüler. Sie nehmen alle die islamische Kultur in ihr Leben auf. Natürlich kenne ich auch Lehrer die den islamischen Glauben haben, ohne ihn der Gesellschaft aufzuzwingen, aber von diesen Lehrern gibt es sehr wenig. Ich bin mit vielen Migranten befreundet. Ich teile ihre Furcht vor Menschen, die radikal sind, die unser Land und Kultur nicht respektieren und zerstören.

Wenn du ein Schüler, Student oder schon aus der Schule draußen bist, aber uns trotzdem deine Geschichte erzählen magst, trau dich und schreib uns an. Teile deine Geschichte mit den anderen, gerne auch anonym.

Copyright© Initiative an der Basis/ Marie. A.,  2020

 

VIDEO Marie A.