Christine G., Lehrerin in einer Berufsschule – meine Erfahrungen (Initiative an der Basis)

Christine G.,  Teil von unserer Initiatve an der Basis, studierte nach dem Abitur Arabisch an den Universitäten in Amman und Tunis und ist seit 2009 im Lehramt an beruflichen Schulen in speziellen Sprachförderklassen und Klassen mit hohem Migrantenanteil tätig.

Wir an der Basis – meine Erfahrungen mit Menschen, die noch nicht lange in Deutschland sind.

Urlaub vom Asyl

EDV-Unterricht. Afghanen unterhalten sich über mögliche Reiserouten und recherchieren Flüge für Heimaturlaube.

Jeside kommt braungebrannt, gutgelaunt und sichtlich erholt aus dem Irak-Urlaub zurück. (Später wird er wegen Diebstahl entlassen)

Afghane trifft sich mit Familie in der Türkei.

Frauen

Muslimas aus dem Vorderen Orient gibt es sehr selten bei uns. Überhaupt sind Frauen in der Minderzahl. Kommen eher vom Balkan, aus Afrika oder Asien.

Sehr netter, kluger und für andere engagierter afghanischer Bauunternehmer (in seiner Familienfirma hat er die Geschäfte geführt und Buchhaltung gemacht, in Deutschland hat er die Verkäuferprüfung mit 1 abgelegt, hat aber jetzt Angst vor der Einzelhändlerprüfung) wurde von Taliban bedroht und ist mit Familie dramatisch geflohen. Er wünscht sich, dass er mehrere Frauen heiraten kann, um ihnen aus dem Land zu helfen. Hat kein Asyl erhalten.

Seine Frau kommt durch den Deutschkurs zum ersten Mal außer Haus. Er fährt sie zu der anderen Frau (keine Deutsche), die sie dort kennen gelernt hat, damit sie einmal andere Leute sieht. Der Kurs fällt ihr unheimlich schwer.

Sie ist immer im Haus, kauft nicht ein, holt die Kinder nicht ab, bringt sie nicht zum Arzt. Es ist für sie unvorstellbar, ein öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen oder Auto zu fahren.

Afrikanerin krank vor Heimweh und Sehnsucht nach ihrem Kind, das bei der Familie geblieben ist. Versinkt in Depression.

Sklaverei

Unterrichtsgespräch über Sklaverei. Afghanen und Araber haben kein Verständnis, warum Sklaverei etwas Schlechtes sein soll. Für arme Leute sei das eine angemessene Versorgung. Sie hätten wenigstens zu essen und zu trinken. Die Afrikaner sind sehr wütend.

Gewalt

Nigerianerin hat panische Angst, wenn wir sie aufrufen und sie etwas sagen soll. Wir fragen nach. Sie wurde immer geschlagen in der Schule. Wir reden mit ihr; ihr geht es zunehmend besser. Sie besteht die Prüfung und bekommt eine feste Anstellung.

Auch Syrer sagen, dass vor allem in der Koranschule stets geschlagen wurden. Die meisten haben häusliche Gewalt erlebt.

Religion

Bosnier klagt, dass in Bosnien nur Geld für Moscheen fließt (Türkei, also Muslimbrüder), aber keiner (EU) in die Wirtschaft und in Arbeitsplätze investiert.

Abtrünnige

Afghanische Mutter zu konvertiertem Sohn: „Nimm dich in Acht vor den anderen, sage ihnen nichts, das ist gefährlich für dich.“

Gespräch über Religionsfreiheit in Afghanistan. Man würde mit einem Nachbarn, der konvertiert oder vom Glauben abfällt, nicht mehr sprechen, ihm nichts abkaufen, ihm nichts verkaufen. Vermutlich würde man die Kinder auf dem Schulweg hänseln. Irgendwann würde sein Haus brennen.

Menschen, die nicht glauben, kann es nicht geben.

Selbst die tolerantesten können nicht akzeptieren, dass viele Menschen von Natur aus homosexuell sind. Sie äußern sofort Gewaltphantasien: „Wenn ich so einen sehe, möchte ich ihm eine reinhauen.“

Pakistaner, Fluchtgrund blutiger Streit mit dem Onkel, inzwischen mit einer Deutschen liiert: „Ich kann das meinen Eltern nicht erzählen. Die würden mit mir brechen.“

Kriminalität

Bosnier erzählt immer, er möchte Polizist werden. Klaut Kreditkarten von Mitschülern und betrügt mit Kumpels systematisch an der Kasse. Entlassen.

Politik

Erklärungsmuster zu den Konflikten in der muslimischen Welt: Israel muss von der Landkarte getilgt werden. Denn von dort kommt alles Schlechte.

Die USA sind nicht die erste westliche Demokratie, sondern das Weltböse, das Israel in die Welt gesetzt hat. Deutschland-Europa hat das Potenzial, das zu beenden (gemeint ist der Holocaust), was es im WK 2 begonnen hat.

Geschichte

Wir lesen die Weihnachtsgeschichte. Keiner weiß, dass es ein römisches Reich gab. Und dass es damals bereits Juden gab. Alles beginnt im Jahr 622 mit der Hidschra.

Großes Staunen über Bilder von München nach dem 2. Weltkrieg, dass es hier einmal so schrecklich aussah. So eine Zerstörung haben viele zuhause gesehen.

Eine Gruppe möchte unbedingt das KZ in Dachau besuchen, um von den Verbrechen des Nationalsozialismus zu erfahren.

Ehrenhafte Berufe

Einzelhändler ist ok. Kleider besser als Lebensmittel. Möbel noch besser, aber Autos verkaufen wäre am allerbesten.

Analphabeten

Bin auf Fortbildung. Von Kollegen aus den Berufsintegrationsklassen, die 18-25-Jährige besuchen, höre ich, dass von den neu nach Deutschland gekommenen Migranten und jetzt auch Migrantinnen immer weniger Ausbildungsreife erlangen: „Erst haben fast die Hälfte nach 1-2 Jahren eine Ausbildung begonnen. Jetzt gerade mal 20 % und es werden immer weniger. Nach 2 Jahren können vorwiegend Afrikaner weder Lesen noch Plusrechnen. Sie können es einfach nicht. An ein Sprachniveau B1 oder den Hauptschullehrplan ist nicht zu denken. Und schon vorher haben wir immer gesagt: Der Schulabschluss ist unser Willkommensgeschenk.“

Erfahrungen mit Muslimen, die schon länger in Deutschland leben. Letzteres meinen Beobachtungen nach unter zunehmenden Einfluss islamistischer Gruppierungen wie den Muslimbrüdern:

Hierarchie der Berufe

Muslimischer Schüler macht Praktikum in Handwerksbetrieb. Entsetzen bei den Mitschülern. Das ist nämlich unterstes Niveau. Hakan erklärt es mir: Wenn schon kein respektabler Beruf wie Rechtsanwalt oder Arzt, dann wenigstens einen, wo man anständig gekleidet ist. Wenn man Arbeitskleidung braucht oder, dreckig wird oder gar Dreck anfassen muss, dann ist man echt arm dran. Man bekommt keinen Respekt (der wichtigste Wert unter meinen muslimischen Schülern).

Ehrenmorde

Kommentar im Ethikunterricht: Unschön, aber was soll der Mann schon tun, wenn die Frau nicht gehorcht.

Drohungen

Wir kriegen eh‘ mehr Kinder, dann habt ihr hier nicht mehr das Sagen.

Fernhalten

Muslimische SuS sitzen in der Regel neben muslimischen SuS. Situation: Muslimische S sitzt am Beginn des Schuljahrs allein. Aufforderung, sich neben eine andere Schülerin zu setzen. Ihr Antwort: „Ich sitze gerne allein.“ (Tut sie nicht, denn jetzt sitzt sie neben drei muslimischen Jungs, mit denen sie sich lebhaft unterhält.)

Deutsche Schlampen

Deutsche Mädchen wollen keine Referate in Anwesenheit v.a. männlicher muslimischer Schüler halten. Sie werden unterbrochen, bei Fehlern schnell verlacht und hören viele hinter dem Rücken gemachte Bemerkungen im Stil von „Frauen in Frankfurt klar machen (youtube)“.

Prostituierte sind eben Frauen, die sich für den Beruf „eignen“. Jedenfalls keine Muslimas.

Arabische Schriftzeichen

Was malt denn ein Schüler da? Scharia in arabischer Schrift. Er wird rot, als ich es vorlese und knüllt es zusammen. Wieso? Ich kann ihn schon länger nicht einordnen und spüre, dass er zwischen den Welten schwankt. Von zuhause her schätze ich ihn eher weltoffen ein, so wie er von seinem Vater erzählt, aber es gibt auch andere Einflüsse. Zu Beginn des Schuljahres sagte er über sich: Ich habe den Deutschen Pass, aber ich bin Araber (aus dem Irak).

Verschwörungstheorien

Die Protokolle der Weisen von Zion sind plötzlich in aller Munde. Ein paar wollen wissen, was das ist und ob es wahr ist. Andere sind sehr still. Andere versuchen ihren Kumpels „den Kopf zu waschen“. Die Deutschen haben keine Ahnung, wovon die Rede ist.

Gedenken

2015 2xGedenkstunde wegen Paris. Einige muslimische Schüler verweigern die Schweigeminute.

Anschläge

Morgens nach 2x Paris und einmal Berlin im Klassenzimmer. Mitgefühl mit den Opfern: Null. Unverhohlene Schadenfreude. Hat ja eh der französische Geheimdienst gemacht (inklusive Videobeweis auf youtube). Und von anderen das Unvermeidliche: Das sind ja keine richtigen Muslime.

Nach einem Anschlag auf Muslime, tief getroffene muslimische Schüler. In eher deutsch geprägten Klassen: Kein Wort. Business as usual.

Clans

Immer wieder gibt es einzelne Schüler, die von den anderen mit höchstem Respekt behandelt werden. Wenn jemand zu spät in die Klasse kommt, entschuldigt er sich nicht bei der Lehrkraft, sondern grüßt den besonderen Schüler. Diese reden kein Wort über sich persönlich, äußern nie irgendwelche Ansichten. Sie sind oft intelligent, aber völlig desinteressiert am Unterricht, in dem das deutsche politsche System oder Gesetzen erklärt wird. Ihre Körpersprache zeigt Verachtung. Im Ethik-Unterricht melden sie sich nie. Kontakte mit der Lehrkraft vermeiden sie. Sie gehen nie zur Schulsozialarbeit.

Clan-Schüler, die im Familienbetrieb arbeiten, verweigern oft komplett die Mitarbeit in der Schule. Der Betrieb hält sie nicht dazu an, mit der Schule zu kooperieren. Beispiel: wegen Unterschleif Blatt abgenommen. S beleidigt mich, ich erteile Verweis. Seine mit ihm verwandte Chefin zeiht mich der Unverschämtheit und beschwert sich über mich bei der Schulleitung.

Manchmal gibt es wütende Mädchen, die im Konflikt mit ihrer Familie stehen. Sie reden nie darüber: „Sie haben ja eh keine Ahnung.“

Weltoffenheit

In Deutschland geboren, deutsche Staatsangehörigkeit: Ich bin Araber. Könnte auch heißen ich bin Türke. Ihre Heimat ist nicht hier.

Mit SuS (alle in München geboren) am Tegernsee: Schau mal, eine Kuh, wie daheim!

Abends kommt die Verwandtschaft, am Wochenende besucht man die Verwandtschaft und in den Ferien fliegen alle nach Hause. Sie reisen nicht in Deutschland, nicht in Europa, nicht in der Welt.

Es ist selten, dass ein Muslim gut Englisch spricht oder gar am Praktikumsprogramm teilnimmt. Anspielungen aus Star Wars oder anderen Serien verstehen muslimische Schüler oft nicht. Ercan, ein engagierter Schüler: „Ich schaue nur türkisches Programm mit meiner Familie. Das sind so Liebesfilme.“

Deutsche Sprache

Deutsche Kinder sprechen Ausländerdeutsch, können keinen korrekten Satz formulieren (trotz normaler Intelligenz), türkischstämmige SuS haben deutliche Sprachschwierigkeiten. Die Eltern sprechen in beiden Fällen wunderbar akzentfrei fließend deutsch.

Viele bürgerliche Familien mit Migrationshintergrund achten ebenso sehr wie deutsche Familien darauf, nicht in den falschen Schulsprengel zu ziehen.

Rap

Ich halte Rap für Jugendkultur und Protest. Erwachsene ärgern halt. Serbischer Schüler: „Oh jeh, Sie haben keine Ahnung!“ Seitdem befasse ich mich mit den Texten und lasse im Klassenzimmer nur noch bestimmte Sachen zu.

Abtreibung

Palästinensische Importfrau (Ehe wurde auf Distanz vermittelt) verlässt Ehemann nach zwei Abtreibungen, die er verlangt hat, weil es nur Mädchen sind.

Erdogan/Islam

Offen zu Erdogan bekennen tun sich nur sehr naive Schüler (mich hat die Zustimmung der Deutschtürken bei der Verfassungsänderung und Erdogan-Wahl nicht überrascht). Da kommen dann auch Sprüche aus dem Islamunterricht wie:

„Wir tragen keine kurzen Röcke wie die Christinnen.“

„Schweine sind unrein, weil sie bluten wie Frauen.“

„Jedes Wort im Koran ist wahr, deshalb ist das meine (einzige) Wahrheit.“

Andere zitieren die Sure, in der vom jüdischen Tötungsverbot die Rede ist und sagen dann: „Das sind keine richtigen Moslems.“ Viele gemäßigte eher kulturelle Muslime fühlen sich sofort angegriffen, aber nie als Teil einer Gruppe, die antiwestliche Werte vertritt und damit Teil des Problems ist (Hörbar im Rap (Sadiq, Kollegah, Farid Bang und in Videos wie „Frauen in Frankfurt klar machen“).

Brüder

Säkular eingestellter Muslim aus dem Kosovo: Der Chef hat mich sofort als Bruder behandelt. Wir haben gemeinsam über 10.000 Euro geklaut (vom Arbeitgeber). Der Bezirksleiter hat mir aber ein gutes Zeugnis gegeben. Er war auch Moslem und sagte, dass er einen Bruder nicht reinreitet.

Antisemitismus

Mit einer Gruppe muslimischer SuS besuche ich das jüdische Museum (auf Geheiß der Schulleitung, weil die Kollegin erkrankt ist). Es beginnt schlecht, weil die SuS gebeten werden, sich auf den Teppichboden zu setzen. Protest. (Habe ich auf Wandertagen schon erlebt, dass man auf Steinen oder Baumstämmen nicht rasten kann). Obwohl sie sagt, dass sie sich mit Muslimen auskennt, verwechselt die Museumspädagogin alhamdulillah (Gott sei Dank) mit allahu akbar (Gott ist der Größte) (PS: Kenne die deutsch-arabische Schreibung nicht). Diskussion. Klarstellungen. Verletztes Ehrgefühl geht vor Höflichkeit. Eine Gruppe S verlässt den Raum und geht nach oben. Dort verschmieren Sie das Gästebuch. Die Aufsicht von oben ist außer sich, die Pädagogin weint. S erklären später, sie seien nur wütend auf die Frau gewesen, weil sie nicht respektvoll war. Sie wüssten, dass sie als Jüdin in München nichts mit den israelischen Kindermördern zu tun hätte.

Jeder Muslim an der Schule kennt die Rothschilds: Reichste Familie der Welt, haben alle Politiker gekauft, steuern die Presse.

Gewalt

Viele haben sie in der Familie erlebt. Männliche Schüler drohen regelmäßig damit, sie zeigen entsprechende Körpersprache. Sie ignorieren deutsche Schüler (beachten ihre Kritik nicht) oder dominieren sie (verlachen).

 

 

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