Lehrerin Margit J.: „Der verweigerte Handschlag“ (Initiative an der Basis)

Lehrerin von Integrationskursen Margit J. ist seit ca. einem Jahr Teil unserer Initiative an der Basis.

Händeschütteln verboten

Von Margit J.Hand-Borneo in cliffside caves 10, 000 years ago

Nach vielen Kontakten mit männlichen muslimischen „Flüchtlingen“ hatte ich nun auch „endlich“ meine erste Erfahrung mit einem verweigerten Handschlag. Ich hatte eigentlich schon viel früher damit gerechnet, es grenzt fast schon an ein Wunder, dass es mich erst jetzt erwischt hat.

Es ist schon noch einmal etwas anderes, diese Erfahrung als Frau selbst zu machen, als immer nur aus zweiter Hand berichtet zu bekommen. Die deutliche Verweigerung eines Mannes mir als Frau die Hand zu reichen, hat mich – gelinde gesagt – sehr verärgert. Ich fühle mich beleidigt. Als Mensch und auch als Frau. Und ich meine, so etwas muss man sagen dürfen – zumal ja von der muslimischen Gegenseite immer die „religiösen“ Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten angeführt werden. Noch mehr als zuvor ist mir klar geworden, wie anmaßend und unverschämt – ja, unverschämt – dieses Verhalten der muslimischen Hinzugekommenen ist, die nichts anderes kennen, als zu fordern, fordern, fordern und sich keinen Millimeter auf die Bräuche in dem Land einlassen. Und wie unmöglich es ist, dass das toleriert wird von unserer Gesellschaft und sogar noch gefördert. Es ist eine Schande.

Was ist das für eine Religion, die eine solch unmögliche Haltung von ihren Anhängern fordert und diese auch noch unterstützt? Was sind das für Menschen, die sich völlig unkritisch irgendwelchen Forderungen ihrer Religion überlassen und in Kauf nehmen, ihren Gastgeber – denn das bin ich ja wohl als Bürger dieses Landes – zu beleidigen? Und sage mir niemand, dass diesen Menschen das nicht bewusst wäre! Das zeigte mir schon die Diskussion, die ja sowieso nur mit einem Dolmetscher geführt werden konnte. So betonte der werte Herr vielmals, dass er mich ja nicht beleidigen wolle, aber seine Religion und bla, bla, bla – mir fällt dazu nichts weiter ein als „Na, dann beleidige mich nicht!“. Für mich heißt all das im Umkehrschluss nichts anderes als „Ist ja blöd, dass ich dich beleidigen muss, aber meine Religion ist wichtiger“. Wie bitteschön sollen wir mit diesen vielen Menschen, die überwiegend genau diese Haltung vertreten, auch nur annähernd auf einen Nenner kommen? Wenn jegliche Handhabe dazu fehlt diesen Menschen zu vermitteln, welche Regeln in unserem täglichen Umgang gelten?

All das heißt natürlich nicht (und schon ärgere ich mich, dass ich das noch anführen muss – politisch korrekt, wie es so schön heißt), dass alle Muslime so sind – zum Glück kenne ich durchaus auch aufgeschlossene und freie Menschen dieses Glaubens. Jedoch ist es sichtlich eine Neigung von der überwiegenden Anzahl der Anhänger dieser Religion, sich unkritisch den Forderungen ihres Islams zu überlassen und in Kauf zu nehmen, den Gastgeber zu beleidigen. Ja, es beleidigt mich – ich wiederhole mich. Und ich muss leider von mir sagen, dass ich das dem Schüler nicht so habe durch den Dolmetscher ausrichten lassen – vielleicht auch deswegen, weil auch dieser ein Muslim ist. Letztlich aber auch, weil ich von diesem Job abhängig bin. Denn was kann ich da schon ändern? Wenn ich gesagt hätte, dass ich auf dem Handschlag bestehe und er sich gefälligst anzupassen habe, dann wäre ich eher meinen Job losgeworden, als dass ich etwas erreicht hätte. Das kann ich mir nicht leisten.

Aber immerhin. Ich habe mir ausführlich Gedanken gemacht darüber, welchen geschichtlichen Hintergrund der Handschlag in unserer europäischen Kultur hat. Nämlich das Zeigen einer Friedensbekundung, der Absicht des friedlichen Umgangs miteinander, einer Geste des Vertrauens – im Mittelalter war die Schwerthand durch den Einsatz beim Handschlag besetzt. Und der Handschlag ist in unserer Kultur auch eine Art Unterschrift unter einen Vertrag – im Übrigen auch in der muslimischen Kultur, dort aber unter Männern, was wiederum viel über die Stellung der Frau in dieser Kultur aussagt.

Ja, es ist wirklich ein leidiges Thema mit den Menschen, die immer auf ihre Religion pochen. Und diese Geschichte zeigt, wie doch einige – und nicht so wenige – keinerlei Interesse daran haben, sich mit den Gebräuchen im Gastland zu befassen. Diese Menschen finden es akzeptabel ihren Gastgeber zu brüskieren im Namen ihrer Religion, und sie wissen darum, wie auch das Gespräch mit dem Dolmetscher zeigt. Sie gehen somit bewusst davon aus, die Religion sei wichtiger als der Respekt vor dem fremden Gegenüber und brechen damit sogar mit ihrer eigenen Tradition des Gastrechts.

Ich für meinen Teil bleibe dabei, dass ich einen verweigerten Handschlag von einem männlichen Muslim als Affront empfinden und dementsprechend der verweigernden Person gegenüber kein Vertrauen haben kann – ganz im ursprünglichen mittelalterlichen Sinne.

 

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