BENWARD BODEN: Erfahrungsbericht eines pensionierten Polizeibeamten und Kriminalermittlers aus NRW im Themenkomplex Flüchtlinge, Einwanderer, Integrierte – Teil 1 Biographisches (Initiative an der Basis)

Erfahrungsbericht von Benward Boden,  pensionierter Polizeibeamter und Kriminalermittler aus NRW.

Flüchtlinge, Einwanderer, Integrierte  – Teil I

von Bernward Boden

Biographisches

Ich bin 1954 in Leverkusen als der älteste Sohn eines früheren Lager-Hilfsarbeiters, dann Schaffners bei der Wupper-Sieg AG und späteren Kaufmanns und einer Tochter eines aus dem katholischen Widerstand gegen die Nazis kommenden Grundschullehrers aus Leverkusen geboren.

Screen Shot 2020-02-16 at 2.32.19 PM

Meine Eltern bei Verlobung Weihnachten 1949

Das Einkommen meines Vaters als Schaffner in den 40er Jahren war sehr gering. Mein Vater war 1927 geboren, bei Beginn der Nazi-Regierung war er also 6 Jahre. Die Indoktrination konnte durch die Schule sicherlich auf ihn Einfluss ausüben. Aber meine streng katholischen Großeltern, sein Vater und seine Mutter, die schon als Kind ihre Geschwister allein aufziehen musste und in der Landwirtschaft groß geworden war, versuchten sich über Wasser zu halten mit Schafzucht. Die Schafe grasten im Garten des damals offenbar sehr beliebten Pfarrers und Pastors Louis in Leverkusen-Bürrig. Nach ihm ist eine Straße benannt worden. So blieb doch der katholische Einfluss, wenngleich – typisch für Jugendliche – mein Vater als 18jähriger noch wenige Wochen vor der Kapitulation an der Westfront auf einen Munitionstransporter gesprungen war, ohne seine Eltern zu informieren, und dann auch sogleich an der Brücke bei Remagen einen widerlichen Nazi erlebte. Mein Vater beobachtete, wie man einen Offizier oder Unteroffizier, der zuvor als fanatischer Vorgesetzter erlebt worden war, der die nationalsozialistische Ideologie – so mein Vater – brutal vertreten hatte, hinter einem Schützenpanzer her zog. Das dürfte unter den Augen der amerikanischen Soldaten oder mit ihrem Wissen geschehen sein. Denn die Brücke war bereits von den US-Amerikanern überquert worden. Es war ein für meinen Vater traumatisches Erlebnis. Einzelheiten erzählte mein Vater nicht, war aber auch der Meinung, dass dieser Offizier ihm als Verbrecher aufgefallen war.

Die jungen Leute landeten auf den bekanntlich als unerträgliches Gefangenenlager genutzten matschigen Rhein-Wiesen. Offenbar konnte mein Vater entkommen oder wurde im Rahmen einer offiziellen Entlassungswelle nach Hause geschickt. So ging er zu Fuß von Remagen am Rhein nach Leverkusen. Eine Strecke, die heute keiner mehr gehen würde.

Unterwegs begegneten ihm Nachbarn, die ihm im rheinischen Dialekt zuriefen: “Wörste iher jekumme, hättste dinge Vatter noch lävend jesinn”. (Wärest Du früher nach Hause gekommen, hättest Du deinen Vater noch lebendig gesehen).

Joseph Boden, Vater von Wilhelm, Dritter von rechts; Bild vor Bahnausbesserungswerk Opladen 1913

Joseph Boden, Vater von Wilhelm, Dritter von rechts; Bild vor Bahnausbesserungswerk Opladen 1913

Großvater Joseph B., freiwilliger Feuerwehrmann mit mehr als 25 Jahren Erfahrung, der aber sein eigenes Haus im Krieg nicht löschen konnte, hatte einen Gehirnschlag, ausgerechnet am Tag der Kapitulation der Nazis. Ob diese Information stimmt, konnte mir nie jemand bestätigen. Ich hatte den Gedanken, er habe sich umgebracht, weil er zeitweilig auch beim Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Opladen gearbeitet hatte. Und diese Leute müssen gewusst haben, dass millionenfach Juden und andere Nazi-Verfolgte mit der Bahn in die Arbeits- und Vernichtungslager gebracht wurden. Das muss denen bei der Reparatur der Bahnen aufgefallen sein. Aber das ist nur eine böse Überlegung.

Großmutter Anna, Mutter meines Vaters, 20erJahre.

Großmutter Anna, Mutter meines Vaters, 20erJahre.

Für meinen Vater fehlte sein Vater als warmherziger katholischer Vater, der er gewesen sein muss. Mein Vater hat z.B. nie Gewalt in der Erziehung angewendet. Für die 50er und 60er Jahre – so meine Erfahrung in Gesprächen mit Gleichaltrigen – war das schon was Besonderes. Bei uns herrschte die Mutter, so wie schon die Mutter meines Vaters der Angelpunkt war. Bis zu ihrem Tode war sie der Maßstab für Alles, was in der Familie geschah. Als ich 3 Jahre nach ihrem Tod und ausgerechnet auch im Mai evangelisch wurde, war das für die Familie der Grund völliger Kontaktverweigerung. Ein Katholik wird nicht evangelisch. Punkt. Tja, ich bin es ja wieder, wenngleich nicht römisch. Nur denke ich oft an diese Säule meiner Kindheit. Großmutter Anna.

Auch das Bild, das mir von meinem Großvater, dem Vater meines Vaters, vorliegt, zeigt keinen fanatischen Nazi, im Gegenteil, man sieht ihn nur mit einfachem Arbeitsanzug vor den Werkshallen. So warmherzig war auch mein Vater, charmant und hilfsbereit, einfach und bescheiden. Er aß morgens ein Brot mit Apfelkraut, nichts anderes. Mittags Kartoffeln und Gemüse, alle Monate mal eine Frikadelle.

Photo500011-Colorized

Mein Vater als Busschaffner ca. 1949

Da ich in 1954 geboren bin, kann ich mich natürlich mehr an die 60er Jahre erinnern, in denen meine Mutter meinen Vater, der als Schaffner der Wupper-Sieg mit Schichtdienst krank wurde und eine alternative Arbeit brauchte, zunächst zu den Götze-Werken bei Burscheid im Bergischen Land und dann in die Selbständigkeit führte. Musste er bei Götze lediglich stupide Kolbenringe stapeln und verpacken, so wurde er an der Seite meiner selbstbewussten, körperlich kleinen, aber doch sehr agilen und auch des Englischen mächtigen Mutter, ein Kaufmann.

Während meine Mutter in unserem Kinderzimmer einen kleinen Lebensmittelladen für die Nachbarschaft aufmachte, dabei auch Prüfungen für Milchprodukte und Fleischereiprodukte machte, einen Führerschein machte (das gab Gerede im Stadtteil, denn Frauen hatten damals noch keinen Führerschein), konnten sie auf Kredit einen VW-Bus kaufen, mit dem wir am Wochenende Ausflüge zu nahegelegenen Seen machten, um spazieren zu gehen. In der Woche aber wurde der hölzerne Innenausbau des Busses mit Lebensmitteln vollgepackt, die dann zu Kunden gebracht wurden.

Photo500039-Colorized

Meine Mutter füllt die Regale auf. Nach einer Inventur oder der regelmäßigen Desinfektion

Modern war damals, dass meine Mutter einen Anrufbeantworter bekam, wo doch schon ein Telefon Grund war, sich vom Fotografen Greis in Leverkusen fotografieren zu lassen. Dieses gigantische Teil zeichnete Telefongespräche auf, man konnte Bestellungen abgeben. Und sie besorgte alles, was die Kunden wollten, und mein Vater fuhr dann in die Dörfer rund um Leverkusen, ins Bergische Land, aber auch nach Köln Flittard, wo eine Siedlung neu entstanden war und noch kein Lebensmittelgeschäft war. Sehr bald kam in das Fahrzeug ein Kurzwellen-Funkgerät, das im 27-Mhz-Band möglich machte, direkt zwischen meinem Vater und meiner Mutter neue Kunden aufzusuchen oder dafür zu sorgen, dass auf dem Rückweg noch beim Großmarkt eingekauft wurde, was für den nächsten Tag oder die nächste Woche gebraucht wurde. Ich habe in den Ferien und auch oft am Abend mitgeholfen, in der Kälte Konservendosen einsortiert, den Verkaufswagen, der später dann ein Mercedes-Lastwagen unter 7.5 t war und in den man hineingehen konnte, um einzukaufen. Für die Kunden, vor allem ältere und behinderte, war das eine enorme Hilfe. Und wer kein Auto hatte oder nicht mit dem Fahrrad soviel einkaufen konnte, bekam alles gebracht. Oft wünschte ich mir, dass es das noch überall gäbe. Wieviele Fahrten könnte man auf dem Lande einsparen.

Der_erste_SB_Wagen20001Durch den „Lebensmittel-Zustelldienst“ und seine Einkünfte, für die mein Vater abends spät auch noch Buchführung machen musste – und es gab keinen Computer! – konnte ich – gefördert auch durch das Land Nordrhein-Westfalen – das Internat Kloster Steinfeld besuchen. Das Salvatorianer-Kolleg war damals als eine Art Elite-Schule bekannt. Und so traf ich, der ich aus den einfachen Verhältnissen stammte, dort Söhne von Journalisten des WDR und später hochbezahlte Spitzenkräfte der Wissenschaft. Aber das war mir als Kind alles egal. Ich freute mich, in Ruhe lernen zu können.

Und man ließ mich bei den katholischen Gottesdiensten die Messe dienen, ich lernte Latein, hätte Griechisch lernen können, wählte Französisch, kam gut voran. Bis in der Pubertät ein Einbruch kam. Und zudem zahlte das Land nicht mehr, die SPD hatte das Ruder übernommen, private Schulen waren nun nicht mehr gefördert, der Würmeling, das günstige Fahren mit der Bahn, hatte ausgedient.

Ich kam auf ein naturwissenschaftliches Gymnasium mit altsprachlichem Zweig, aber es ging nicht mehr voran. Die Lehrer waren vom 68er-Virus beeinflusst, ständig wurde demonstriert, der Unterricht fiel aus. Man diskutierte über dies und das, was ich alles nicht verstand. Ich wollte lernen, aber bekam keinen Input mehr. Nach einem Jahr wechselte ich in die Handelsschule, dann die höhere Handelsschule – und ich hatte guten Erfolg. Lernte Bilanzieren, kaufmännisches Rechnen, Sozialwissenschaften, Wirtschaftsgeographie, lernte Stenographie und Schreibmaschine im 10- Finger-System. Alles konnte ich später bestens gebrauchen. Alles das verlief in einer Zeit, in der meine Akne mich nervte, in der ich nicht mehr im katholischen Nest saß, ich nirgends mehr Anbindung hatte. Ich gab Nachhilfe für Mitschüler, traf mich mal mit einem Mädchen zum Eis essen. Aber ich kam irgendwie nicht mehr voran. Alles war mir zu einfach, ich fühlte mich sicherlich auch unterfordert, hätte gerne studiert.

Mein Schulleiter nahm mich eine Weile in sein Sekretariat, ich erledigte dort Schreibarbeiten der Sekretärin, konnte schnell angelernt werden. Dann rief die Bundeswehr. Aber: Verweigerung kriegerischen Dienstes war ein Credo, das ich aus den Worten meines Urgroßvaters August F. entnommen hatte. Er war im 1. Weltkrieg in die Etappe geflohen, schälte Kartoffeln und konnte sich dadurch erhalten. In der Weimarer Zeit wurde er Lehrer an der Präparandie bei Hannover, zog nach Neuss, weil im Krieg das Elternhaus in der Burgstraße in Hildesheim völlig zerstört worden war, wo sein Vater Schuster war.

Photo29500018-Colorized

Das Bild zeigt (von rechts nach links): August Führmann, aus der Burgstraße in Hildesheim, Vater Fritz war Schuster, Lehrer in Neuboddenberg, Ursula Führmann, lebt heute in Düren, Sophie Führmann, geb. Bähr, aus Hildesheim, ihre Mutter starb mit ihrem 6. Monat. Georg Führmann (mit Schilddrüsenüberfunktion), Gisela Führmann, meine Mutter, dann Walter Führmann, der gerade erfährt, dass er bald ins Militär und dann in den gerade angezettelten Krieg muss, aus dem er nie wieder kommen wird. Anna Broich, seine Freundin. Sie sitzen in der Küche von Hahnenblecher B12, in einem Haus, in dem sie zur Miete wohnen. E gab Plumpkslo, aber viel Garten.

Großvater August hatte vier Kinder, eines davon hatte eine leichte Behinderung und war vom Euthanasieprogramm bedroht. So nahm mein katholischer Großvater, der auch die kirchliche Lehrerlaubnis für den Religionsunterricht hatte und aktiv in der Kirchengemeinde in Leverkusen- Steinbüchel tätig war, Kontakt zu Bischof Graf von Galen auf, der in Münster als der “Löwe” galt, weil er mit dem Hitler-Regime in Streit lag, da er erfahren hatte, dass das System Menschen töten ließ, die es aus seiner ideologischen Sicht als “unwert” oder “krank” bezeichnet hatte. Das brachte von Galen auf die Palme. Seine Predigten ließ er abtippen, und auch Großvater August tippte, da er im Zehn-Finger-System schnell schreiben konnte, die Predigten von Galens ab und verteilte sie an andere, die das ebenfalls machten. So verbreiteten sich damals geistliche Predigten im Widerstand gegen die Nazis.

Der preußisch geprägte Lehrer war keiner wie heutige Lehrer. Es war noch Teil preußischer Erziehung in den Schulen, Kinder mit dem Rohrstock zu züchtigen. Später sah er ein, dass man damit die willfährigen Folterer anerzogen hatte. Aber da war es schon zu spät.

Mein Großvater, und das rechne ich ihm hoch an, verbot unter Androhung der Prügelstrafe seinen Kindern, sich einer der Nazi-Organisationen anzuschließen. Sie sollten Kartoffeln lesen, auf Bauernhöfen helfen, aber niemals in die NSDAP eintreten oder deren Vereine betreten. So erteilte mein Großvater Mandolinenkurse, gründete dadurch ein kleines Mandolinenorchester in seiner Kirchengemeinde, das bis heute existiert. Der bekannte Musiker im WDR “Lucky” Dauner war dort auch. Und meine Mutter spielte da mit. Sie erteilte dann Lautenunterricht. Die Laute war das, was heute doch eher die Gitarre ist. So spielte sie, die bei Kriegsende 18jährige, in Altenberg bei Festspielen mit. Man führte dort ein Stück auf, in dem viele Lauten mitspielten.

Es gab von Kindheit an Klarheit darin, dass niemand mehr von uns Militärdienst oder gar Kriegsdienst machen würde, dass wir aber für die frische Demokratie, für den Aufbau einer sozialen und christlichgeprägten Bundesrepublik Deutschland viel lernen mussten. Darum ermöglichten meine Eltern mir, eine katholische Internatsschule der Salvatorianer in Steinfeld/Eifel besuchen konnten. Weil die sozialdemokratische Regierung Kühn aber die Zuschüsse strich und zugleich mit der Firma Aldi meinen Eltern jede Existenzgrundlage genommen wurde, musste ich das Internat verlassen und besuchte dann nach vorübergehender freier Gymnasialzeit ab 1969 die Handels- und später Höhere Handelsschule. Es war alles nicht leicht für unsere kleine Familie. Aber ich hatte es insofern gut, als wir nie in Urlaub fuhren sondern stattdessen Klavierunterricht und Bücher angeschafft wurden.

1973 begann ich meine polizeiliche Ausbildung in Linnich. Viele Kasernen, eine Einrichtung eher militärischen Aussehens. Trostlos, abgelegen in einer Sackgasse, betrat ich damals mit noch langen Haaren im damals üblichen Parka das Gelände, meldete mich an einer Schranke an. Uniformierte mit Dienstmütze und Maschinenpistole erwarteten uns mit einer Liste. Ich wurde abgehakt, bekam die Anweisung, wo ich zu parken hatte, wurde dann in ein sogenanntes “Lehrgruppengebäude” geschickt und wurde begrüßt mit den Worten: “Erstmal zum Friseur, dann kannste wiederkommen”.

Das ging ja schon gut los. Ich hatte Schonfrist bis zum Wochenende, dann fuhr ich zu meinem Onkel, einem Friseurmeister in Leverkusen, der so ziemlich jedem Leverkusener Fußballer die Haare geschnitten haben dürfte, und ließ mir einen militärischen Kurzhaarschnitt verpassen. Ich fand das damals fürchterlich. Hatte ich doch nach meiner Klosterzeit erst eine Weile gebraucht, mich den langhaarigen Klassenkameraden anzupassen, obwohl mir, wenn ich heute die Fotos sehe, mir die gut geschnittenen Haare erheblich besser passten und ich damit richtig gut aussah. Damals empfand ich das nicht so.

Zufällig war ich ein paar Tage älter als die anderen Klassenkameraden in der Lehrgruppe 3, wie sie hieß. Darum wurde ich zum “Klassenältesten” ernannt. Nicht gewählt, ernannt. Nur weil ich ein paar Tage älter war. Da waren welche, die waren mir entwicklungsmäßig offenkundig voraus, aber ich wurde Klassenältester. Morgens musste ich “Meldung machen”, wieviele Klassenkameraden anwesend, krank, fehlend waren; musste es an die Tafel schreiben. Musste Pausen anmelden, für Ordnung sorgen, beim Marschieren, ja – das gab es – , musste ich ab und an kommandieren. All das mochte ich nicht, aber musste ich. Weil ich es erkennbar nicht mochte, sollte mir das später noch lange als Hindernis bei Beförderungen gelten. Die sogenannte “C”-Graduierung, die man mir zwei Jahre später aufdrückte, war maßgeblich von einer “4-5” in “formale Ausbildung” geprägt. Da nutzte mir 1-2 in vielen Fächern gar nichts. Der Schnitt zählte.

Später hat mal ein prüfender Fachlehrer mich gefragt, ob ich erlaube, dass er meine “Staatsbürgerkunde” Arbeit, die ich mit “sehr gut” geschrieben hatte, fotokopiert und mit nach Hause nimmt, hab ich ihm das erlaubt. Es ging um Sozialisationsfragen am Beispiel rechtsextremer jugendlicher Gewalttäter. Eine Soziologiearbeit mit psychologischem Ansatz, aber auch mit Erfahrungen aus autoritären Verhältnissen, in denen ich mich entschied, gegen Antisemitismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Faschismus zu leben und zu reden. Es war MEINE Entscheidung, niemand verlangte das. Ich hätte mich durchaus den dummen Witzen und Sprüchen einiger meiner Zeitgenossen anpassen können. Aber immer hörte ich den Satz aus den Predigten: “Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes”, “was ihr dem Geringsten unter den Geschwistern tut, das tut ihr mir”, sagte Jesus. Ich trage das in meinem Herzen.

Bei aller Kritik an Ideologien, die ich stets konsequent ablehnte und auch mit Worten bekämpfte.

In Linnich kam ich 1973 also noch vor dem Attentat auf den ex-SS-Mann und späteren Wirtschaftsführer und seine Sicherheitsleute in Köln. Aber es waren bereits Anschläge und Entführungen begangen worden, in München z.B. war der antisemitische Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft. Und ich war fest entschlossen, ein guter Polizist zu werden, um Kriminalität zu bekämpfen.

Es gibt noch einen Zeitungsartikel einer lokalen Zeitung aus dem Raum Aachen, in dem ich mit dem damaligen Chef der Ausbildungseinrichtung zusammen auf einem Foto zu sehen bin und erwähnt wird, dass ich und andere genau das gesagt hatten: “Wir wollen uns einsetzen gegen die zunehmende Kriminalität”.

In der Kaserne selbst gab es z.T. schreckliche Ereignisse. So wurden wir in ein Carree gesperrt, über die Mauer warf jemand eine Tränengaspatrone in Styropor, und wir hatten Panik, konnten dann durch eine Tür entkommen. Widerwärtig war das. Ich werde denen das nicht verzeihen und vergessen.

Die Polizei erneuerte sich langsam in den fast 3 Jahren dort. So baute man ein neues Ausbildungsgebäude, modern, farbig, und es kam ein ganz anderer, demokratischerer, freundlicherer Wind hinein. Für mich war das zu spät.

DL0ILZum Glück hatte ich 1972 ein paar Wochen in Kiel-Schönkirchen einen Lehrgang gemacht und war Funkamateur geworden. So nutzte ich freie Minuten, manchmal auch die Nachtwache, um mein Funkgerät anzuschalten. Und ich lernte eine junge Frau kennen, die ebenfalls Funkamateurin war, eine lizensierte, also wir beide nicht im Citizenfunk, wir konnten morsen und alle Kurzwellen- und UKW-Bänder nutzen. Mein Hobby bis heute.

So hatte ich auch schon mal eine Verabredung, wir fuhren mit Kollegen und den Bekannten zur Anna-Kirmes in Düren oder nach Aachen. Ein Stück Jugend, die andere ganz anders verbracht haben.

Dann lernte ich – auf ganz anderem Wege – meine heutige Frau als Freundin kennen. Wir fuhren nach Paris, nach Südfrankreich, ich machte Reisen mit dem deutsch-französischen Austauschwerk nach Istres und anderswo. Ich war und bin immer noch ein weltzugewandter neugieriger Mensch, lerne gerne andere Kulturen kennen, liebe Europa als Gemeinschaft unterschiedlicher europäischer Staaten und Historien.

Aus dieser Welt kommend, begann ich in Köln meine Arbeit. Da wurden in Köln-Mülheim KBW- Stände mal eben abgeräumt. Die entscheidenden Leute informierten mich über die Rechtsgrundlagen ihres Vorgehens nicht wirklich. Ich erlebte, das unnötiger Zwang angewandt wurde, fürchterliche Kommunikationsabläufe, die dann zur Aggression bei den Festzunehmenden führten. Es gab aus heutiger Sicht auch Übergriffe. Damals dachte ich, dass ich für diese Welt einfach zu brav bin und ich erstmal sehen müsste, “wie das im Alltag der Kollegen richtig läuft” und wie sich das von der Rechtstheorie der Ausbildung unterschied. Man schätzte mich wegen meiner Steno- und Schreibmaschinenkenntnisse, wegen meiner Formulierungskunst, wegen meiner an den Sachfragen konzentrierten Art, Sachverhalte zu schildern, sie rechtlich einzuordnen. Aber in “Widerständen” oder bei “Stress” wollte man mich ungern dabei haben. Fürs Prügeln war ich nicht geschaffen. Ich liebte das Wort. So konnte ich zwar mit einigen wenigen Kollegen mal einen Kegelabend machen, aber man hielt mich doch weitgehend fern von ihren Aufenthalten in Bars etc. Dafür war ich zu brav.

Und nun kam hinzu, dass wir, meine damalige Freundin und ich, heiraten wollten, ein Kind haben wollten oder mehr. Das war denen alles suspekt. So kam auch niemand zu unserer Hochzeit, weder in die Kirche noch ins Standesamt. Nichts.

Wir bekamen einen Römertopf geschenkt. Wir haben ihn erst jetzt, nach über 40 Jahren, in den Müll geworfen. Bis dato hatten wir ihn benutzt. Und ich denke immer daran, dass es von meinen damaligen Kollegen kam. Einer von ihnen hatte tragische Erfahrungen in einer Geiselnahme später, in denen die falschen Menschen starben. Aber wir haben uns nie wieder gesehen oder miteinander telefoniert.

Egal, ich habe meinen Weg erfolgreich fortgesetzt und wurde nach einigen Jahren erstmal auf meinen Wunsch in eine Dienststelle versetzt, ja angefordert, in der man meine Telegraphie-, Schreib- und sonstigen Kenntnisse von Technik, Kurzwelle, Ausbreitungsbedingungen und meine Bereitschaft, Dienstgeheimnisse zu wahren, schätzte und brauchte. Da habe ich während der Terroristenzeit gute Arbeit gemacht. Heute macht sowas alles ein Computer. Damals brauchte man viele Menschen für Verschlüsselung und Bearbeitung geheimer Texte, die zur Fahndung und Ermittlung durch das Land, die Bundesländer und darüber hinaus gingen.

Irgendwann war mir das nicht genug. Und ich ging zurück nach Köln, wurde erste ein paar Jahre Präventionsberater, wurde aber dann schnell zum Bezirksermittler und später dann in die Kriminallaufbahn gesetzt, wurde ausgebildet, bekam einen Lehrgang, um in den gehobenen Dienst zu kommen, und habe dann bis zum Schluss mich mit Kriminalitätsverwaltung und –ermittlung befasst. Gerade darum kritisiere ich, dass mangels Personal lange Jahre der Mangel verwaltet wurde und meine Generation pensioniert wurde, fachlicher Nachwuchs aber erst mühsam wieder aufgebaut werden muss. Irgendwie erinnert mich diese Organisation an eine Provinznest, das zwar gute Arbeit leistet, das aber von der Regierung vergessen ist.

Immer engagierte ich mich nebenberuflich für die Gesellschaft, das Gemeinwesen. Es war die bleierne Zeit, in der die RAF mir Sorgen machte, weil ich als junger Vater von bald zwei und dann drei Kindern zu unmöglichen Zeiten geweckt wurde, um Durchsuchungen zu machen, weil man den Aufenthalt von Schleyer meinte gefunden zu haben, oder weil ähnliche Maßnahmen viel Polizei benötigten. Das kann ich mal gesondert schildern.

Dazu der notwendige Kampf gegen Atombombentests, Nukleartransporte, strahlenden Müll, Zerstörung der Natur durch breite Straßen in Köln, Planung einer der größten europäischen Müllverbrennungsanlagen führte dazu, dass ich mich gemeinsam mit Sozialdemokraten im Stadtteil eine Bürgerinitiative für Umwelt und gesundes Wohnen gründete. Die Regierenden in Köln, eine – wie man heute weiß – mit der Stasi verbandelte sozialdemokratische Fraktion im Rat sowie die im Ort mehrheitlich gewählte CDU nannten mich, den man sonntags mit den Kindern in der Kirche sah, einen “Grünen”. Sprüche wie “geh doch in die DDR” hörte ich auch, obwohl ich immer gegen die deutsch-deutsche Grenze war.

Dieses Unding zeigte ich meinen Kindern bei einem Urlaub in der Lüneburger Heide. Wir fuhren an die DDR-Grenze und zeigten ihnen, wie man auf der anderen Seite Schießtürme hat. Allerdings noch viel früher hatte ich meinen Kindern das Konzentrationslager Flossenbürg gezeigt. Später waren wir mit unserem Sohn in Weimar und Buchenwald. Wir haben auch andere Orte aufgesucht. Zuletzt war ich in Engerhafe. Auch Ostfriesland hat Menschen gequält während der NS-Zeit.

Mehrmals waren wir in Flossenbürg. Still gingen wir in dem Gedenkort, der kaum noch zeigt, was die Menschen dort gelitten haben, durch die Gelände, schauten uns das Gebiet vom nahegelegenen Burgturm aus an, schwiegen. Aber meinen Kindern erklärte ich, dass dort Menschen gepeinigt und dann umgebracht wurden. Die Nazis, das sollte meine Kinder lernen, dürften niemals wieder verharmlost werden oder Macht bekommen. Ich wusste, dass auch meine Berufsgruppe noch immer von Leuten durchsetzt war, die noch von Nazis eingestellt, befördert, in Führungsaufgaben gebracht worden waren, wenngleich das Denken in den 70ern sich schon demokratisierte, zumal Willy Brandt “mehr Demokratie wagen” wollte, was auf jedem Plakat gestanden hatte vor den Wahlen 1969. In der Ausbildung war das Thema sehr dürftig behandelt worden. Man stellte uns einen Plattenspieler mit den Reden Göbbels und Hitlers hin, der Fachlehrer ließ uns damit allein, aber Diskussionen gab es nicht. Ich war aber mit Kollegen zusammen, die mit mir einig waren, dass wir in unserem Verhalten menschenwürdig mit Menschen umgehen wollten und dabei die Verfassung und die Gesetze eher als Hilfe als als Beschränkung sahen.

Mit diesen Kollegen aß ich in Aachen meine erste Pizza, trank dabei Rotwein. Ich begann zu leben, nachdem ich doch aus den engen Verhältnissen kaum die Welt kennen gelernt hatte. Der spätere Professor Dr. Georg R., der den Polizeiberuf hingeworfen hatte nach drei Jahren und stattdessen Medizin studiert hatte, war damals eine Art Vorbild. Er hatte ein Plakat von Pinochet in unserem gemeinsamen Zimmer hängen, um deutlich zu machen, was für ein blutrünstiger Kerl dieser Mann war. Ja, die meisten meiner Schulfreunde wurden namhafte Fachleute, ich selber bescheiden ein Kriminalhauptkommissar, immerhin, aber stets im Clinch mit den Alltagsrealitäten, die uns Wirtschaft, Politik, Parteien und Medien vorsetzten, die aber selten mit unseren Erfahrungen zu tun hatten. Bis heute.

Ich komme also aus einer Entwicklung, in der ich später bis in die 90er Jahre innerhalb der Grünen, zudem in der Landesarbeitsgemeinschaft Einwanderung mitarbeitete, im DGB-Arbeitskreis Ausländer, den ich zum DGB-Arbeitskreis Integration verwandeln half in Köln und Umland (ich saß dort als GdP- Mitglied).

Polizei 1973-1998 / Demokratie geht jeden an

Ich war von 1973-2013 Polizeibeamter, ab 1994 als Kriminalbeamter, teilweise in der Prävention, zuletzt in Kommissariaten der Kriminalpolizei Köln. Ab 2005 erfassten wir die alltäglichen Tausende Straftaten nur noch statistisch, nummerierten die Seiten, schauten ob es irgendwo Ermittlungsansätze gab, verfügten sie ab zur Staatsanwaltschaft. Weitgehend unbearbeitet.

Pressekonferenz_Linnich-Colorized

Bernward, rechts im Bild. Pressekonferenz mit Polizeidierktor und Führungskräften.

In den 70er Jahren war ich entsetzt, wie sehr die polizeiliche Arbeitspraxis abwich von den rechtstheoretischen und verfassungsrechtlichen Grenzen und Vorschriften, die ich in der Ausbildung gelernt hatte. Es lohnte sich, diese Zeit mal genauer anzuschauen. Soviel aber doch:

Ich hatte in den 70er und 80er Jahren neben meinem Beruf mich mit Umwelt- und Friedensfragen befasst. Soweit möglich auch in der Gewerkschaft der Polizei. Aber vor allem in der Gründung einer Bürgerinitiatve lag der Grund, dass ich zunehmend in politische Konflikte mit der Polizeiführung in NRW geriet. Eine Delegation aus Köln war nach Düsseldorf gefahren, um meine Chefs aufzufordern, mich von weiterem Engagement für Umweltfragen abzuhalten. Aber man kannte meinen Fleiß, meine Zuverlässigkeit in den Aufgaben und meinen Charakter – und mein Chef weigerte sich. Er drohte gar: Wenn man dem Bernward Schwierigkeiten macht, wenn der hier weggehen muss, dann geh auch ich. Dafür zolle ich Heinz K. noch heute Dank.

Gleichwohl gab es zwei in der Politik tätige Kollegen, einer bei der CDU, Werner H., und einer bei der SPD, mit Familiennamen O., die massiv gegen mich vorgingen, weil ich auf dem grünen Brett meiner Gewerkschaft, deren Jugendgruppe ich quasi war, kritisierte, dass der bayerische Ministerpräsident anlässlich eines Besuches in Südafrika gesagt haben soll, es könne kein gleiches Wahlrecht für Schwarze und Weiße in Afrika geben. Ich musste das Plakat einer antifaschistischen Initiative aus dem linken Spektrum abnehmen und wurde disziplinarrechtlich verwarnt. Und das, obwohl ich Aktiver der GdP Kreisgruppe war. Ich gab das dann auf.

Es war die Zeit vieler Atomtransporte, die von Gronau ausgingen und dies, obwohl Nuklearmaterial nicht auffindbar war. Die Polizei begleitete die Transporte, aber keine Rede war davon, dass es einen Tatort Gronau gab. Ich begriff das nicht. Diese mangelnde Kritik an der Atomindustrie und ihren Machenschaften.

Auch was die Geschichte der Polizei betraf, soweit es die Nazi-Zeit betraf, beeinflussten mich linke grüne Bekannte, dieses Thema anzupacken. So kam ich mehr und mehr vom Umweltthema weg hin zu kritischer Betrachtung meines Berufes. Ich sah die Notwendigkeit, hatte aber keine Kooperationspartner. Bis ich über einen Freund aus der evangelischen Friedensbewegung erfuhr, dass sich Grüne in Bonn trafen, um einer Initiative von kritischen Polizisten zum Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft zu verhelfen. Ich war dabei und gründete 1988 nach einem Besuch in Wackersdorf, der sehr traumatisch war durch die Begegnung mit bayerischen Müttern, deren Kinder am Bauzaun massive Polizeigewalt erlitten hatten. Ich sah das als unverhältnismäßig an, was da geschehen war.

So begann ich Artikel dazu zu schreiben, machte Interviews mit dem linksrheinischen Rundfunk bei Koblenz, den es damals gab, und gründete mit einem Kriminalbeamten aus Werl und anderen zusammen eine NRW-Gruppe kritischer Polizisten, die dann 1988 auch in Berlin eine Bundesarbeitsgemeinschaft gemeinsam mit dem schon länger in Hamburg aktiven „Hamburger Signal“ gründeten. Ich wurde bald Vorstandsmitglied und auch einer der drei Sprecher. Die Haupt-Sprechertätigkeit kam aber von einem Hannoveraner, einem Hamburger und einem Wiesbadener Kollegen. Ich war eine Art „konservative Ergänzung“, so empfand ich mich. Immerhin kam ich immer im Anzug zu den Treffen, war doch eher konservativ, katholisch geprägt und bin auch schon mal bei einer Tagung zum Thema „Abschaffung des Par. 129 a StGB“ aus der Diskussion geflohen, die mir zu theoretisch war, um in der Nähe in einer historischen Kirche in Weilimdorf für die Putzfrauen, die dort mir Zugang verschafften, einige schöne Stücke auf der Orgel zu spielen. Die holten noch weitere dazu, es gab danach Applaus. Das zeigt etwas von mir, der ich politisch mich einbringen wollte, der ich aber doch immer auf dem Boden dessen geblieben bin, der mir Halt und Orientierung gab: Christentum, Demokratie, Freiheit, Ideologieferne.

Um näher wieder an meinem eigentlichen Berufsauftrag zu sein, ließ ich mich aus der Dienststelle in Düsseldorf beim LKA wieder nach Köln versetzen, ging zunächst in die Verkehrsprävention, wo man aber mit mir nicht gerne arbeitete, weil ich als „Kritischer Polizist“ bereits einen Ruf hatte. Die Stimmung dort hatte doch eher rechtskonservative Züge. Einen „linken“ Polizisten wollte man nicht. Dennoch konnte ich in dieser Zeit später nochmal Einfluss auf den Polizeipräsidenten nehmen, indem ich ihn bat, die Polizeigeschichte doch mal aufarbeiten zu lassen. Er als Jurist sei doch der Richtige, das endlich anzupacken. So geschah es auch.

Erfahrungen mit dem Thema Flucht, Vertreibung in den 90er Jahren

In den 90er Jahren bekam ich von heute auf morgen den Auftrag, mich um einen Stadtteil als uniformierter Bezirks- und Ermittlungsbeamter zu kümmern, in dem ein Kollege Schweißausbrüche bekam, weil er Schwierigkeiten mit zugewanderten Flüchtlingen und Ausländern hatte. Ich hatte das Problem nicht.

Da ich mehrere Sprachen spreche, motiviert war, wurde ich also Bezirks- und Ermittlungsbeamter, was es heute so in NRW nicht mehr gibt. Ich bekam ein Büro in Köln-Merkenich, mitten im Gewerbegebiet, hatte über 700 Flüchtlinge zu “betreuen”, die nach 1990 dort in einer ehemaligen Kaserne der belgischen Armee untergebracht wurden, wobei in Platzmitte ein eingezäunter Bereich mit giftiger Asche lag. Unfassbar. Ich bekam in einer Toilette einen Tisch, einen Telefonapparat – dank der Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes – und war von da an nicht nur Ermittler bei den zahlreichen Akten der Staatsanwaltschaft wegen “Beförderungserschleichung”, sondern ich war Ansprechpartner für die vielen Ausländer aus Somalia, Paschtunen aus Afghanistan, Kosovo-Albaner, etc.

Es gab Konflikte, es gab Drogenhändler, es gab sexuelle Übergriffe von islamischen Kosovaren auf die somalischen Frauen in ihren tollen farbigen Kleidern, ich hörte zu, ich ermahnte, ich kümmerte mich, ich schrieb Anzeigen, vernahm Zeugen, hörte Geschädigte an, nahm Kriminelle fest. Ich ertrug, dass fliegende Kriminalkommandos an mir vorbei stürmten, um jemand zu suchen, den man gefunden hätte, wenn man mich nur gefragt hätte. Aber ich galt als politisch unzuverlässig, da ich doch eher eine linksgrüne Anmutung hatte. Aber nicht, weil ich Leute bevorzugte oder agitierte, sondern weil ich die Menschen als Individuum behandelte.

Als ich erkannte, dass dort Christen und Muslime miteinander Probleme hatten, schlug ich dem zuständigen Camp-Leiter vor, einen Raum einzurichten, der still, für Gebete nutzbar und interkonfessionell war. Ein Flüchtlinge, der wirklich gut malen konnte, bemalte die Wände wunderbar mit Kopien namhafter klassischer Künstler. Aus dem Kopf konnte er das.

Als Amnesty international und Diakonie und Flüchtlingshelfer nicht ins Camp kamen, weil ein Tor es versperrte, kümmerte ich mich, dass der freie Zutritt für solche Helfer möglich würde. Ich musste mich durchsetzen gegen Bürokraten, aber da das kein Gefängnis sondern eine Notunterkunft war, sollte niemand davon abgehalten werden, sich beratende Hilfe zu holen. Das geschah auch.

Ich möchte damit andeuten, dass ich über mehrere Jahre aktiv nah an den Menschen aus Verfolgung war und damals angesichts von Rostock, Hoyerswerda und Solingen alles Erdenklliche tat, um in meinem Einflussbereich Artikel 1 Grundgesetz zur Geltung zu verschaffen.

Allerdings nicht naiv. Denn die Messerstecher und Betrüger, nächtliche Diebesbanden, prügelnde oder sexuell auffällige Männer gab es damals auch schon. Die wurden von mir rigoros der Staatsanwaltschaft gemeldet. Ob sie je bestraft wurden, kann ich nicht sagen. Polizisten arbeiten nicht für Anerkennung. Wir tun, was wir können, aber wir erwarten nichts, außer Respekt.

Zwischen 1992 und 1999 etwa hatte ich also ständig in Erstaufnahmeeinrichtungen und Wohnhäusern mit Flüchtlingen zu tun. Ich habe mich sehr engagiert, deren Situation immer auch im Blick zu halten. So sorgte ich für Gebetsräume für Christen und Muslime und Andersgläubige. Ich war wöchentlich in der Unterkunft und hielt persönliche Gesprächszeiten ab. Es gab sehr unterschiedliche Erfahrungen. Aber obwohl darunter auch viele Straftäter waren die ich anhören musste, war ich immer stringent deutlich dagegen, wenn andere Kollegen gegen Flüchtlinge argumentierten, habe dabei aber meine schlechten Erfahrungen bewusst geleugnet und habe so manche Äußerung meiner Kollegen als „rechtsextrem“ eingeordnet, obwohl aus heutiger Sicht nicht immer dazu wirklich Anlass bestand.

In meiner Freizeit war ich Mitglied im offenen Arbeitskreis der Grünen, in der Landesarbeitsgemeinschaft Einwanderer, bei anderen LAGs, war zeitweise Mitglied der Grünen, war auch ab und an Delegierter für Köln. Aber nie war ich da wirklich zu Hause, auch wenn ich versucht hatte, gegen eine linke Kandidatin anzutreten, weil niemand auch nur mal fragte, ob ich gewählt werden wollte. Man musste immer kämpfen.

Ich habe viel von meinen alevitischen Freunden gelernt, Freunden aus Dersim, dem heutigen Tunceli. Meine Begegnung mit diesen und anderen Migranten, ehemals echten Flüchtlingen, die der türkischen Militärdiktator entwichen waren, Nachfahren der Genozide an den Armeniern und an den Aleviten. Mich verbindet immer noch eine tiefe Freundschaft, auch wenn einige wieder in der Türkei leben und dort angesichts der Zustände überleben. Aber ich weiß, dass sie friedliche Menschen sind, vermittelnd. Aleviten habe ich als Brückenbauer kennen gelernt, gebildete Menschen, musikalische Menschen, gastfreundliche. Und auf deren Freundschaft baut auch meine Überzeugung, dass bei aller Kritik, die ich an dem von mir heftig abgelehnten Islam habe, der einzelne Mensch immer zunächst individuell zu sehen ist. Ideologien ablehnen, aber Menschen die Türen öffnen, bis sie selber sich die Grenzen setzen, indem sie für etwas missionieren, das nicht menschenwürdig und freiheitlich ist. Da blocke ich. Da ist meine Tür zu. Egal welche Ideologie.

1974 in Düsseldorf0001

Landtagswahl NRW 1975 vor Landtagsgebäude Düsseldorf

Ab 2009 hab ich wieder normal ermittelt, auch Zeugen vernommen und Beschuldigte, aber alles im Hochgeschwindigkeitsverfahren. Alles so schnell wie möglich, weil man sonst unterging.

2013 konnte ich nicht mehr. Ich hatte zuviel zu tun in der Kripo, die Personalsituation war durch die Pensionierung früherer Kriminalbeamter katastrophal geworden. Junge Kollegen waren oft nicht mehr präsent, erzogen ihre Kinder, arbeiteten halbtags, machten Heimarbeit…. Und wir älteren Kollegen, zuletzt war ich fast der einzige noch, mussten dann noch nachmittags zusätzlich Haftprüfungen vornehmen, nachts raus, Wochenende raus… ich drohte herzkrank zu werden. Darum bat ich mit 60 Jahren um meine Pensionierung. Das geschah dann 2014 auch. Da aber abzusehen war, dass Flüchtlinge nach Deutschland kamen, bot ich im neuen Wohnort, Norden Ostfriesland, an, erkennungsdienstlich zu arbeiten, Personalien zu prüfen, Identitäten zu klären. Denn das waren die Probleme, die zu erwarten waren.

Aber das Innenministerium antwortete nicht. Niedersachsen schwieg, wenngleich im Rundfunk Pensionäre aufgerufen worden waren, sich dazu zu melden. Ein Jahr später kam ein knapper Brief des Innenministeriums Hannover, demzufolge man meine Post offenbar irrtümlich falsch eingeordnet hatte. Unfug.

In Utlandshörn, einem Stadtteil von Norden, stand ein Gebäude leer. Da ich hörte, dass leere Räume gesucht wurden, sogar Sporthallen für Betten benutzt wurden, sagte ich, dass die Funkstation, das Museum Norddeich-Radio in Utlandshörn, das im weitgehend leeren Gebäude seinen Platz hatte, ehrenamtlich bereit wäre, die Flüchtlinge zu betreuen. Darum ging ich zur Kreisvolkshochschule Norden, schrieb mit einem Konzept Herrn Mittwollen, den früheren Leiter, an. Der aber starb, bevor es zu diesem Gespräch kommen konnte, plötzlich.

Ich bot in mehreren Gesprächen eine Frau Imkre Kreusel in der Kreisvolkshochschule an, ich wollte eine ehrenamtliche Gruppe aufbauen, die sich auf die zu leistende Arbeit mit den zu erwartenden Flüchtlingen vorbereiten sollte. Wurde nicht gemacht.

Die Flüchtlinge kamen.

Ich nahm Kontakt mit der neuen Einrichtung der KVHS Norden auf, Utlandshörn. Da liefen merkwürdige Dinge ab. Das Personal wechselte mehrfach. Es wurde z.B. die Tür des Museums aufgebrochen etc. Ich erfuhr, dass an einem Abend 180 Flüchtlinge angekommen waren, die auch neue Kleidung bekamen. Am anderen Morgen seien alle weg gewesen, die Kleider lagen wild herumgeworfen in den Räumen. Schon am Abend hatten die Männer Terz gemacht, wenn die wenigen Frauen, die dabei waren, sich ein Kleidungsstück aussuchten. Es seien Kleider, die “haram” (unsauber, sündig, ungläubig) seien.

Das geschah mehrfach.

Ich wollte ehrenamtlich arbeiten. „Refugee welcome“ stand an unserer Tür. Ich war 2014 noch voll auf dieser Welle.

Dann wandte ich mich an eine Einrichtung „Haus Nazareth“, wo unbegleitete Jugendliche betreut werden und wohnen. Man sagte mir, man brauche einen Nachhilfelehrer für nachmittags, aber ich müsste damit klar kommen, dass ich täglich kommen müsste, aber dass die Flüchtlinge meist nach wenigen Tagen nicht mehr kämen, weil sie was Anderes vor hätten. Kosten wurden mir nicht erstattet. Ich ließ es.

Aber man sagte mir nach ein paar Tagen, dass einige Jugendliche Hilfe des Weißen Rings bräuchten. Wenn ich da helfen könnte, das wäre was.

Ich hatte mit dem Weißen Ring schon 2014 Kontakt aufgenommen, man besuchte mich auch, aber man meldete sich dann nicht mehr für die notwendigen begleiteten Beratungen. Ich hakte nun nach, aber ein Kriminalbeamter in Aurich sagte mir, dass man mit dem Thema Flüchtlinge gar nicht erst anfangen wolle. Wenn man dieses Fass aufmache, gäbe das Unruhe in Aurich. Ich verstand nicht warum, wunderte mich aber, warum wenige Wochen später Kriminalbeamter Herr H. vom Weißen Ring einen Ehrenamtspreis der SPD bekam. Wegen seiner Arbeit.

Der Weiße Ring wollte auch in Hannover und Mainz nicht mit mir darüber reden. Die Vorsitzende, die ehemalige Justizministerin von NRW, in München ansässig, antwortete gar nicht erst.

Nirgends konnte ich mich einbringen. Immer noch dachte ich, es läge daran, dass ich aus NRW eingewandert bin, aber dann geschah dies: An der Tür in Utlandshörn hing ein Schild mit vielen Namen von Flüchtlingen, die angeblich im Hause wohnten. Ich prüfte sie in Google und stellte bei einigen fest, dass sie als Kriegsverbrecher gesucht wurden.

Mustafa L., inzwischen verstorben, ein aus Nordafrika stammender ehemaliger Lufthansa-Pilot, der das Museum Norddeich-Radio wöchentlich öffnete, sagte mir dann, im Gebäude seien nicht die öffentlich 60 Flüchtlinge, es seien in Wirklichkeit nur 6 oder 7.

Es gäbe noch mehr zu sagen, ich kürze das hier mal. Jedenfalls sollten die paar Flüchtlinge nach außen Aktivitäten zeigen, damit von außen deutlich wurde, dass dort viele Leute seien, sagte mir der Augenzeuge.

Die evangelische Kirche stiftete einen großen Geldbetrag für die Einrichtdung in Utlandshörn. Für einen angeblichen Kindergarten. Es gab keinen Bedarf. Es wurde ein Kinderzimmer eingerichtet, aber es gab nur eine einzige Familie dort – für eine kurze Weile. Darüber hinaus waren Flüchtlinge, die auch mit Messern sich angingen, Mehrfachidentitäten, Leute, die in Schweden schon ausgewiesen waren… u.v.m. Ich beschwerte mich bei der evangelischen Kirche und bekam plötzlich einen Besuch. Ein Pfarrer mit Funkwagen besuchte mich. Ich nehme an, dass er Pfarrer ist, denn er stellte sich als solcher im Sonderdienst vor. Ich erfuhr, dass er dort eine Stelle innehabe in der Einrichtung, um in einer Art sinnvoller Beschäftigungstherapie die Neuankömmlinge mit Werkzeugen vertraut zu machen, die sie von zu Hause nicht kannten.

Ich war überrascht, denn es waren doch angeblich geflohene Syrer, die dem Krieg entwichen waren. Und weiß man nicht, was ein Hobel, was Holz, was ein Werkzeug ist? Ich war verwundert. Leider darf ich einige Dinge nicht erzählen. Jedenfalls lehnte das Land Niedersachsen ab, dass ich die Identität der oft verhaltensauffälligen Leute feststellen half. Man gab mir keine Chance, mich ehrenamtlich einzubringen. Wir machten eine Versammlung in der Kirchengemeinde. Es kamen angebliche oder tatsächliche Flüchtlingshelfer, die aber ähnlich einer Sekte wirkten, die überhaupt keine Interesse hat, die 5 Leute, die ich als Freiwillige oder Interessierte zusammengetrommelt hatte, zu ehrenamtlichen Helfern zu machen.

Dass die Volkshochschule mir nicht gestattet hatte, 2014 – also weit vor dem Andrang der 2015 an der Grenze Österreichs hineingelassenen Unüberprüften – eine Vorbereitungsgruppe zu leiten, Absprachen zu treffen, damit niemand überfordert werden würde, das bleibt eine der vielen Merkwürdigkeiten. Ich wollte als gerade pensionierter Kriminalbeamter mit Fachkenntnissen in Erkennungsdienst und Ermittlung mich einbringen für Flüchtlinge, für ein geordnetes Hilfsverfahren, für menschenwürdige Verhältnisse, ich war voll auf der Welle „Refugee Welcome“, hatte das auch an der Tür stehen. Aber keiner wollte das wirklich. Merkwürdig.

Ab 2016 hatte ich die Nase voll.

(In Teil II werde ich mich mehr über meine Erfahrungen mit eingewanderten Gruppen von Personen äussern, warum die meisten schlichtweg Einwanderer sind, dass dann, wenn man nur Forderungen stellt und nicht bereit ist, sich vor Ort einzugliedern, man immer neue Probleme produziert. Über meine erheblichen Zweifel, dass alles das gesetzlich korrekt abgeläuft. Ich möchte in den Medien und Zeitungen Berichte, Fakten, Informationen. Meinetwegen abgesetzt einen Kommentar, aber beurteilen sollte jeder selber. Und darum ist es gut, wenn sich Menschen wie wir von der Basis äussern, Menschen mit Erfahrungaus Flucht und Vertreibung oder die sich mit Eingewanderten auskennen.)

 

copyright © Initiative an der Basis/Benward Boden, Februar 2020

 

Veranstaltung INITIATIVE AN DER BASIS in Fulda, 29.2.2020: “Aufnahmestopp jetzt!”

E I N L A D U N G

Die Initiative an der BASIS lädt zu einer GesprächsrundeInitiative an der Basis -Veranstaltung 29.2.2020 FULDA

Die Initiative an der Basis ist ein bundesweites Bündnis von Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Flüchtlingen und Migranten arbeiten. Die Initiatoren kommen aus unterschiedlichen Berufen (Lehrkräfte, Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen, Übersetzer und Dolmetscher, Justizangestellte, Psychologinnen, Ärzte und Polizisten, etc., sowie Geflüchtete und Migranten, die die jetzige Politik kritisch beurteilen.

Die Migration und ihre Folgen beherrschen die Medien, aber selten kommen diejenigen zu Wort, die täglich an der Basis damit zu tun haben, genau wissen, was falsch läuft und wie man es besser machen könnte. Das wollen wir ändern.

Wir wollen gemeinsam als breite Basis Probleme benennen, Zusammenhänge aufzeigen und Forderungen an die Gesellschaft, Medien, Behörden und Politik, als auch an Flüchtlinge und Parallelgesellschaften formulieren. Wir sind im Grunde nicht erpicht auf mediales Interesse. Uns ist klar, dass auch wir Gefahr laufen, mutwillig missverstanden und medial hingerichtet zu werden, aber wir wollen trotz allem nicht länger schweigen. Die Lage ist zu ernst, um weiter ignoriert zu werden.

29.2.2020 um 17:00 Uhr in Fulda
Anmeldung: Initiative.an.der.Basis.2020@gmail.com

Flüchtlinge und Migration: Erfahrungsbericht eines Erziehers “Was machen eigentlich die Frauen und Mädchen?”

Was machen eigentlich die Frauen und Mädchen?

Erfahrungsbericht von Martyn Ringk, Teil II

Als der Migrantenzustrom im Sommer 2015 über uns hereinbrach, konnte ich trotz schöner Bilder der Medien von flüchtenden Familien nicht die Augen vor dem Männerüberhang verschließen. Tatsächlich war der Anteil von Frauen bzw. Mädchen unter den Migranten verschwindend gering. Wie es ihnen unter den Massen von männlichen Migranten in den Flüchtlingsheimen und woanders geht, ist politisch wie medial nicht im Fokus.

Als ich mit der Arbeit als Erzieher im Juli 2015 in der Erstaufnahme- und Clearingstelle in Berlin-Zehlendorf begann, kamen täglich um ca. 100 unbegleitete minderjährige „Flüchtlinge“. Die Zahl der unbegleiteten Kinder, Jugendlichen und bärtigen Kinder stieg bis zum Ende des Jahres an, bis dem Zustrom durch die Gesetzesänderung des Nachzugs von Familienangehörigen ein Ende gesetzt wurde. Bis dahin mussten alle Mitarbeiter der EAC Berlin tagtäglich mit Überforderung kämpfen. Der Stresspegel war hoch. Die Nerven lagen blank.

Ich erinnere mich, dass es nicht nur in der EAC-Berlin dementsprechend chaotisch zuging, auch bei anderen Behörden war Chaos pur angesagt. Ich denke zurück an die Begleitungstermine mit den männlichen Kindern, Jugendlichen und Bärtigen zu den notwendigen Behördenterminen im Clearingverfahren. In der ZAA Turmstraße Berlin-Moabit beispielsweise standen Massen von Menschen an, liefen hin und her oder kampierten auf dem Gelände in den Grünbereichen. Überfordertes Dienstpersonal, das angesichts der Situation eigentlich an die Decke hätte gehen, aber es tunlichst vermied, während es ständig koordinierte, umkoordinierte oder wild herumrannte. Der Stress war den Leuten deutlich anzusehen. Bei anderen behördlichen Stationen (TBC, KJGD, LABO, Tropeninstitut, BAMF) gab es das gleiche Bild. Es ging sogar soweit, dass bis Ende des Jahres 2015 einige Behörden im Asylprozess so reagierten, dass sie ein A4 Blatt mit aufgedrucktem Datum als offiziellen Verwaltungsakt für die umFs ausgaben. Daran war deutlich zu erkennen, wie überfordert und überlastet die Institutionen waren. Hätte es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nicht all die vielen freiwilligen Helfer und HelferInnen gegeben, Deutschland wäre angesichts dieser Situation zusammengebrochen. Aus heutiger Sicht sage ich, dass dies nur ein Ausblick auf das Morgen war.

Von Beginn der Flüchtlingskrise an war klar, dass es sich hierbei um männliche Migration handelt. Bis in die Altersstufe von 60 Jahren geht es hauptsächlich um Männer. Das zeigte sich auch während meiner Arbeit in der Erstaufnahmestelle. Ab dem ersten Arbeitstag schlugen nur Jungen in der EAC-Hauptstelle in Berlin-Zehlendorf auf. Die ersten Mädchen (oder waren es junge Frauen?) kamen etwa erst Mitte August 2015 in der EAC an. Sie fielen natürlich auf, weil es ungefähr vier bzw. fünf von insgesamt 78 Minderjährigen waren. Auch in der Zeit (ca. 1,5 Monate) als die EAC überbelegt war (110 umFs), stieg die Zahl der Mädchen nicht spürbar an. Auffällig an den Mädchen bzw. Jugendlichen war, dass sie von oben bis unten verhüllt waren. Mir fiel damals ins Auge, dass diese vier bis fünf weiblichen Jugendlichen bzw. jungen Frauen in der EAC Kleidung von recht guter Qualität trugen. Sie kamen direkt aus der Türkei, wo sie, wie sehr viele umFs, ca. zwei Jahre gelebt hatten. Diese verschleierten Mädchen waren äußerst reserviert und zurückhaltend und wollten möglichst keinen Kontakt mit Einheimischen. Auch vor Kontakt mit männlichen Jugendlichen hielten sie sich auffällig zurück. Was ich damals noch nicht wusste, ist mir mittlerweile klar: in diesen Fällen handelte es sich um Importbräute, die im Zuge der Massenmigration ab 2015 hierher geordert worden waren, denn hier in Deutschland gab es Verwandte, die die Mädchen in Empfang nahmen. Wie viele Mädchen und Frauen im Zuge der Migrationsbewegung speziell seit 2015 hierhergeschickt wurden (darunter ist auch ein Teil, die nur das von ihrem eigenen Leben wollen: heiraten und Kinder kriegen), darüber gibt es keine Statistiken, es interessiert ja auch die politisch Verantwortlichen nicht. Sehr gut erinnere ich mich noch an ein kurdisches Mädchen, ca. 17 Jahre alt, in der Erstaufnahmestelle in der Wupperstraße 17-21, weil sie das erste unverschleierte Mädchen war. Man konnte sich gut auf Englisch mit ihr verständigen. Natürlich schützte auch die kopftuchtragenden und von oben bis unten züchtig-muslimisch gekleideten Mädchen und jungen Frauen ihre Kleidung nicht vor den Aufdringlichkeiten der männlichen Jugendlichen. Verbales Anmachen war auch bei denen an der Tagesordnung, hinzu kam noch das Nachstellen. Aber da dieses Mädchen kein Kopftuch trug, mussten auch mal Erzieher auf dem Gang patrouillieren, wenn sie auf Toilette musste oder sich waschen wollte. Zwar betrug der Aufenthalt des Mädchens nur etwa einen Monat (was in den Monaten Ende 2015/Anfang 2016 äußerst kurz war), das reichte aber schon aus, damit das Mädchen ziemlich eingeschüchtert seine Zeit in der EAC verbrachte. Von Seiten der Leitung und des Personals war das erschreckenderweise kein allgemeines Thema. Auch hier nahm man die Situation hin – so wie alle anderen Situationen auch. Hinnehmen, weitermachen, Augen zu … Es ist klar, dass sich dann Frust und Aggressionen aufstauen.

Ich erinnere mich außerdem an das Mädchen Hanan, die sich mit ihrem Bruder (er gab an, 17 Jahre alt zu sein, wirkte aber wie ein Zwanzigjähriger) ein Zimmer in der Erstaufnahme in Berlin-Zehlendorf teilte. Schon das war ziemlich bedenklich! Wie kann man eine Dreizehnjährige, die man nicht kennt, mit ihrem Bruder (weiß man es?) auf ca. 13 m² wohnen lassen? Immerhin arbeiteten wir in einer Kinderschutzeinrichtung!

Wieviel das Wort Kinderschutzeinrichtung wert ist, haben ich und meine Arbeitskollegen Anfang des Jahres 2016 erleben müssen, die 13-jährige Hanan ging mittlerweile zur Schule. Ihrem Bruder gefiel das nicht, denn Hanan erlaubte sich, mit einheimischen Jungs in ihrer Schule zu reden. Das durfte nicht sein, so empfang es jedenfalls der Bruder. Darüber hinaus setzten die Verwandten Hanans Bruder via Handy immer wieder unter Druck, er habe dafür zu sorgen, dass Hanan nicht westlich wird und damit keine Schlampe, wie es die Frauen hier in Deutschland sind. Dadurch brachen bei dem Bruder alle Dämme. Er bedrohte seiner Schwester und verbot ihr, weiter in die Schule zu gehen. Sollte sie sich weigern, drohte er ihr, werde er sie töten. An diesem Nachmittag flüchtete Hanan vor Angst aus dem Zimmer in das Empfangsbüro der Erstaufnahmestelle in der Wupperstraße. Da dort immer mindestens ein Mitarbeiter (Erzieher, Betreuer) zugegen war, entschied sie sich dorthin zu flüchten. Dort angekommen versteckte sie sich hinter einer Mitarbeiterin, denn ihr Bruder verfolgte sie dorthin. Von Zorn erfüllt schlug er zu, traf aber seine Schwester nicht, sondern die Mitarbeiterin, hinter der Hanan Schutz gesucht hatte. Wutentbrannt marschierte er in Richtung des Zimmers in die zweite Etage der großen Erstaufnahmestelle für umFs in Berlin. Zu dieser Zeit, als Hanans Bruder in Richtung des Unterkunftszimmer unterwegs war, befand ich mich hinter geschlossener Tür in der Küche dieser Etage und bereitete das Abendessen für die etwa 40 Kinder (bis 14 Jahre) vor. Ich wurde aus meinen Vorbereitungen für das Abendessen durch heftiges und dröhnendes Donnern herausgerissen. Erschrocken und verwundert zugleich öffnete ich die Tür der Küche und stellte fest, wie schräg gegenüber der Tür, in der ich stand, Hanans Bruder mit heftigen Tritten gegen die eigene Zimmertür trat. Die Tritte waren so heftige, dass davon sogar die Wände auf der Etage zu erzittern begannen. Bald danach trat er die Tür ein, die in viele Holzteile zersplitterte. Derweil hatte sich, alarmiert von anderen Kollegen, das Sicherheitspersonal der Wupperstraße aufgemacht, Hanans Bruder bis zum Zimmer zu verfolgen. In der Zeit zerlegte, von rhythmischer Musik aus seinem Handy begleitet, das Zimmer. Bettteile flogen umher, Marmeladengläser gegen die Wand. Es wurde zerstört, was die Wut begehrte. Das Sicherheitspersonal (eine Person) schritt aus Deeskalationsgründen (eigentlich waren sie schockiert) nicht ein. Mittlerweile waren noch weitere drei Erzieher dazugekommen, die an bestimmten Punkten des L-förmigen Flurgangs positioniert standen. Die fast 40 Kinder hatten die Ausschreitungen mitbekommen und mussten vom Gaffen abgehalten werden. Außerdem mussten sie vor der Unberechenbarkeit des wütenden und tobenden Bruders beschützt werden. Die Situation war extrem heikel und explosiv. Die Nerven lagen blank. Die Zeit stand still. Vielleicht nach etwa 10 Minuten ließ er von der weiteren Zerstörung ab, rannte aus dem Zimmer, über den Flur die Treppe runter und raus aus dem Haus. Die Sicherheitskräfte rannten hinterher. Hanans Bruder schrie, dass ihn die Polizei festnehmen solle, weil er so nicht weiterleben könne. Die kam auch zügig, da diese schon von Kollegen gerufen worden war.

Ich muss sagen, die Zusammenarbeit mit der Polizei des zuständigen Abschnitts klappte recht gut. Man kannte sich eben schon länger und die Polizeibeamten waren auf die Situationen der Erstaufnahmestelle und der Klientel routiniert eingespielt. Vor Ort fand eine Zeugenvernehmung von Hanan, außerdem wurde Hanan darüber aufgeklärt, welche Rechte sie als Mädchen in Deutschland hat. Wie uns von Polizeiseite erklärt wurde, ist rechtlich leider nichts zu machen, es sei denn, der Bruder würde Hanans Schulbesuch unterbinden oder sie vor Ort in der Schule bedrohen. Erst dann gäbe es eine rechtliche Handhabung. Hanans Bruder wurde in Handschellen abgeführt und bedrohte dabei eine Mitarbeiterin verbal. Das Ergebnis der Vorkommnisse: Nach einem Tag in der Arrestzelle befand sich Hanans Bruder am nächsten Tag wieder in der Wupperstraße. Was sich geändert hatte war, dass er nun nicht mehr mit seiner Schwester in einem Zimmer wohnte, sondern eine Etage tiefer in einem Dreibettzimmer. Ich war schockiert, als ich am nächsten Tag zur Spätschicht in die EAC-Wupperstraße kam und ihn dort erblickte. Er wirkte aufgeblasent und selbstsicher. Mit der Gewaltdemonstration des vorherigen Tages hatte er ein klares Zeichen gesetzt und für alle sichtbar demonstriert, wer das Sagen hat. Es ist gang und gäbe, dass Kinder und Jugendliche bei Strafdelikten nicht des Hauses verwiesen werden. Das Höchste bei drohender (Selbst-) Gefährdung ist ein Aufenthalt in der jeweiligen psychiatrischen Einrichtung des jeweils zuständigen Kinderkrankenhauses. Meist belief sich die Verweildauer dort auf etwa 24 Stunden oder darunter.

Die Gewalt vor Ort war patriachalisch geprägt. Das prägte die Stimmung in der Einrichtung in hohem Maße. Auch bei meinem Wechsel in die neu eröffnete Zweigstelle nach Wilmersdorf zum September 2016 hin änderte sich nichts. Gewalt blieb Gewalt und Kontext blieb Kontext, auch wenn verkündet wurde, das mit der Hauseröffnung in der Prinzregentenstraße alles anders werden würde. Die Realität war anders. Die Gewaltdelikte der Kinder, Jugendlichen und bärtigen Kinder hielten auch dort unvermindert an. Aggressionen wurden unter den Kollegen der neuen Einrichtung ebenso ignoriert und weitergereicht wie zuvor in der Wupperstraße. Allerdings gab es hier eine Mädchenetage in der 3. Etage in der Prinzregentenstraße in Berlin-Wilmersdorf.

Zum ersten Mal hatte der Träger FSD beim Thema Migranten/Flüchtlinge Mädchen im Fokus. Das gab es zuvor nicht, auch bei den Mitarbeitern nicht. Zwar musste zum Beispiel das Personal noch dazulernen, wie z. B. beim Thema Kinderehe. Aber durch gezielte Informationen zur Gesetzeslage und den Ergebnissen des Landesjugendhilfeausschusses und des LAGESOs zur Fragestellung beim „Umgang im Rahmen der Inobhutnahme von Jugendlichen mit im Ausland geschlossenen Ehen, bei denen die Frau minderjährig ist und der Mann volljährig“, die klar zu verstehen gaben, dass Minderjährigen-Ehen gesetzeswidrig sind, konnte ich die Hausleitung davon überzeugen, dieses Handlungspapier umzusetzen.

Seit Juli 2017 ist das Gesetz gegen Frühehen in Deutschland in Kraft. Seitdem ist das Mindestheiratsalter ohne Ausnahme auf 18 Jahren heraufgesetzt worden. Gegen dieses Gesetz zum Verbot der Frühehen stimmten die Grünen und Die Linke. Grund: Das wäre populistisch. Wäre das Gesetz nicht durchgekommen, wie es die Linken und Grünen wollten, hätte das bedeutet, dass die Mädchen hierzulande – aus Gründen der politischen Korrektheit – auf der Strecke geblieben wären. Leider muss man sich auch bei diesem Gesetz fragen, wie und ob dieses Gesetz überhaupt in der Praxis angewandt wird. Das sind generelle Fragen, die auf Verhältnisse in diesem Land zurückzuführen sind, die mittlerweile Alltag sind.

Es gab sie – die Mädchen, wenn auch in äußerst geringer Zahl im Gegensatz zu den Jungen. Bei den Mädchen und jungen Fragen kamen ganz andere Dinge zum Tragen, warum sie hierhergekommen waren oder wodurch. Anders als bei der Überzahl der Jungen, die geschickt wurden, um vor allem als wirtschaftlicher Türöffner für die Familie in den Herkunftsländer zu fungieren und bei denen fast ausnahmslos die Entscheidung des Vaters dahinterstand, sind Mädchen und Frauen aufgrund der eigenen direkten Betroffenheit hierhergekommen. Ich nenne dies eigene direkte Betroffenheit, denn drohende Vergewaltigung im Heimatgebiet, Zwangsverheiratung, Flucht aus oder vor drohender Versklavung sind ganz andere Motivationsfaktoren und -hintergründe, als vom Vater dazu bestimmt worden zu sein, nach Europa zu gehen. Beim weiblichen Geschlecht geht es oftmals um unmittelbare Bedrohungssituationen.

Ich habe in der Zweigstelle in der Prinzregentenstraße in Berlin-Wilmersdorf erfahren, warum sie hier sind. Flucht vor Zwangsheirat betraf die meisten, dann war es Gewalt in der Familie oder anstehender Ehrenmord, Drohung in die Sklaverei verkauft zu werden oder aus dieser zu kommen sowie in die Prostitution geschickt zu werden, was die Mädchen veranlasst hatte, hierher zu kommen. Wenn es darum geht, vor der drohenden Prostitution oder aus der Prostitution zu fliehen (das waren zum überwiegenden Teil Mädchen aus afrikanischen Ländern), dann geht es um die eigene Motivation. Natürlich wurden auch Mädchen per Flugzeug nach Deutschland eingeflogen, das waren meist Mädchen aus dem Kaukasus. Diese Mädchen bildeten, neben Mädchen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara, die andere große Gruppe. Zumeist kamen sie aus Ländern wie Tschetschenien, Aserbaidschan etc.

Es gab Mädchen, die als Importbraut hierherkamen und dann in Deutschland als Minderjährige Schutz vor dem schlagenden Ehemann in der Erstaufnahmestelle suchten (Flucht vor häuslicher Gewalt). Oft waren darunter auch Kinder, oder sie flohen direkt vom Transport aus dem Herkunftsland hier im Ankunftsland vor der Hochzeit mit ihrem zukünftigen Ehemann. Natürlich gab es auch Mädchen, die als Ziel hatten, hierher zu kommen, um zu heiraten und Kinder zu kriegen. Das waren die Hardlinerinnen unter den Mädchen, die nicht von ihrer vorherbestimmten Rolle abweichen wollten, die das sogar als Prestige sahen und diesem Ziel huldigten. Das waren die strengen Musliminnen, die den anderen Mädchen vorschreiben wollten, dass sie ein Kopftuch zu tragen hätten, weil sie sonst Huren seien. Dies wurde von Mitarbeiterinnen der Einrichtung klar und unmissverständlich unterbunden. Solche Mädchen, die mit freiheitsentziehenden Allüren gegenüber anderen Mädchen schwadronierten, sie in ihrer Freiheit hier in Deutschland in der Außenstelle in Berlin-Wilmersdorf einzugrenzen versuchten, wurden klar in die Schranken gewiesen. Aber solche Mädchen gab es nur wenige. Die meisten hatten ein eigenes Schicksal und deshalb eine große Motivation, das anzugehen. Dahinter steckte das Thema Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein, was ihnen allzu oft genommen wurde. Bei ihnen ist mir sofort der Elan, das Interesse und der Fleiß beim Lernen der deutschen Sprache aufgefallen. Anders als bei den meisten Jungen, die von Verhältnissen der sozialen, weil männlichen präferierten, Hängemattenmentalität, des Macker- und Patriarchentums geprägt waren, hatten diese Mädchen solche Verhältnisse nicht erfahren. Wie sollten Mädchen wissen, wie es ist, selbstbestimmt zu sein, entscheiden zu können, was sie wie und wann können und wollen. Woher sollten die Mädchen wissen, wenn sie genitalverstümmelt bei uns ankamen, dass es nicht verwerflich ist, sondern normal, ein eigenes Gefühl zum eigenen Körper zu haben oder sogar selbst sexuelle Lust zu haben? Nein, da, wo sie herkamen, dürfen weibliche Wesen so etwas nicht haben. Das wäre haram. Aber hier gab es die Auseinandersetzung damit. Darum gab es Mädchen, die das Thema Rekonstruktion der Genitalien für sich anstrebten. Das Thema Genitalverstümmelung war bis zu meinem Weggang im März 2017 ein Thema. Mindestens die Hälfte der Mädchen war in der Außenstelle in Berlin-Wilmersdorf davon betroffen. Schon vor dem Hintergrund, dass mindestens die Hälfte schwanger bei uns in der Außenstelle ankam, mussten sich die Mädchen mit ihren Körpern auseinandersetzen, auch weil die Schwangerschaften meistens durch Vergewaltigungen durch oftmals ihre eigenen Landsleute auf dem Weg nach Europa zustande kamen.

Oft wollen die Mädchen, so wie ich es erlebte, nicht, dass ihre Familien nach Deutschland kommen. Der Grund war, dass sie auch hier wieder die Freiheit verlieren würden. Freiheit ist ein Motivator, der war den Mädchen sehr wichtig. Dort, wo sie herkamen, kannten sie sie nicht.

Anders als bei den Jungen geschieht die Flucht der Mädchen und jungen Frauen u. a. mit Hilfe der Mütter. Sind die Mädchen erst einmal in Deutschland angekommen, beginnen bei Ihnen die Schuldgefühle zu wachsen. In den Gesprächen taucht dieses Thema immer wieder auf, denn sie wissen, dass sie jetzt in Sicherheit sind, ihre Mütter hingegen wegen ihrer Hilfestellung nun in Lebensgefahr sind.

Bis heute kommen Mädchen und junge Frauen so gut wie gar nicht in den Medien vor. Außer 2015, als die Kanzlerin die schönen Bilder einer unschönen Sache brauchte, waren Mädchen und Frauen nur hier und da zu sehen und wenn, dann nur im Kontext von Familie und Männern. Frauen alleine waren in den Fernsehberichterstattungen nicht auszumachen. Normalerweise ist von Jungen die Rede, wenn es um Jugendliche geht, die unbegleitet, also ohne Eltern oder sonstige erwachsene Angehörige, nach Deutschland kommen. Die Überzahl ist männlich. Nach der Unicef-Studie „Kindheit im Wartezustand“ vom Frühjahr 2017 sind 97 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen männlich. Das war die erste große Studie nach der Masseneinwanderungswelle von 2015, wo es so chaotisch zuging, dass man überhaupt nicht wusste, wer da alles kommt. Aus diesem Grund frage ich mich auch weiterhin: Wer sind die Mädchen? Warum kommen sie? Was passiert eigentlich mit Ihnen in den Unterkünften/Einrichtungen? Wer schaut hin und macht überhaupt was? Da gibt es einfach extrem große dunkle Flecken.

Ein anderer Grund, warum die Mädchen nicht in den Schlagzeilen sind, ist der, dass sie – anders als die Jungen – keine Probleme machen, wie z. B. bei Tests zur Altersfeststellung (leider wurden diese Tests ab 2015 sehr durch die Flüchtlingsorganisationen in Deutschland stark diskreditiert), da doch ein gewisser Teil der Jungen sich jünger machte, als sie in Wirklichkeit waren, um ins Kinder- und Jugendhilfesystem rutschen zu können und den Familiennachzug zu erleichtern. Außerdem ist da noch das Thema sexuelle Gewalt. So sind männliche umFs immer wieder in den Schlagzeilen, wobei es eine deutliche Diskrepanz zwischen den sozialen Medien und der Berichterstattung der Mainstreammedien gibt. Nicht ohne Grund heißen diese mittlerweile Staatsrundfunk. Der Mordfall Mia V. aus Kandel zeigte, wie das Thema sexuelle Gewalt durch die Massenmigration seit 2015 eine neue Dimension bekam. Mia V. wurde von ihrem afghanischen Exfreund ermordet. Dieser hatte sich als 15jähriger ausgegeben, war aber wohl deutlich älter. Anders als die Jungen fallen Mädchen aber nicht durch grassierende Gewalttaten in Deutschland auf, die man mittlerweile fast nur noch durch die Lokalpresse oder Social Media erfährt. Mädchen machen keine Schwierigkeiten. Und das liegt auch daran, dass sie eine verschwindend kleine Gruppe innerhalb der umFs bilden.

Noch bis 2014 war die Zahl der umFs in Deutschland überschaubar. Nach BAMF-Angaben waren zu dieser Zeit rund 2.000 Kinder und Jugendliche hier in Deutschland, die unbegleitet waren. Doch als die Kanzlerin über die Köpfe anderer Staaten hinweg entschied, die Grenzen ohne Kontrolle für Flüchtlinge/Migranten Mitte 2015 zu öffnen, schnellte die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen rapide hoch. Auch in der Erstaufnahmestelle in Berlin war das hautnah zu spüren. So erreichten im November 2015 über 1.000 umFs die Wupperstraße in Berlin-Zehlendorf. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat für das Jahr 2016 eine Höchstzahl von 36.000 umFs errechnet. Noch im Sommer 2015 waren es 22.500. Zieht man dann noch die UN-Studie hinzu, dann waren demnach rund 3 % der umFs weiblich, also rund 1.000 Mädchen, die hier in Deutschland leben. Allerdings interessiert sich auch nicht das BAMF sonderlich für die Mädchen, die hier nach Deutschland kommen, denn sie werden noch nicht einmal statistisch abgebildet. Auch beim Bundesdachverband wird nicht nach Geschlechtern statistisch getrennt, auch nicht abgefragt. Dasselbe Bild findet sich beim Kinderhilfswerk. Aus welchen Gründen die Mädchen ihre Heimatländer verlassen interessiert nicht, nur wenn man mit ihnen zu tun hat, erfährt man was die Gründe.

Im Jahr 2015 wäre die Leistungsfähigkeit deutscher Behörden im Zuge der illegalen Masseneinwanderung fast zusammengebrochen, doch es wurde verhindert. Es wurde verhindert durch die vielen Menschen, die sofort einsprangen, um zu helfen, indem sie Sprachkurse gaben, Essen verteilen, Migranten in den eigenen Wohnungen aufnahmen etc., weil die Behörden nicht damit fertig wurden. Dennoch wurden bei den damaligen Geschehnissen die vielen inneren Probleme der deutschen Gesellschaft auf das Morgen verschoben. Eine Problematik ist die seit vielen Jahren nicht funktionierende Integration von Muslimen in Deutschland. Die Integration ist gescheitert. Die soziale Problemlage hält seit Jahrzehnten unvermindert an. Die Flüchtlinge haben sich wunderbar für Deutschland angeboten, sich für einen kurzen Zeitraum gut zu fühlen und davon abzulenken zu lassen. Anders wären die Szenen auf deutschen Bahnhöfen nicht zu begreifen, als die ankommenden „Flüchtlinge“ unter Jubelrufen der Deutschen mit Plüschtieren zugeworfen wurden., doch die Probleme dauern bis heute an, nur findet das jetzt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle statt und setzt sich so fort. Die Einwanderer von 2015 sind seitdem zu einem Geschäftsmodell für viele geworden, obwohl mindestens 80 %, trotz großzügigster Auslegung des Asylrechts, keinen Anspruch auf Asyl haben. Trotzdem redet man seitdem permanent von Flüchtlingen. Es sind Organisationen, Kirchen, Wohnungsvermieter, Anwälte, Politiker, die an dieser Situation durch die Migranten in vielerlei Hinsicht verdienen. Die Folge ist die Überlastung der Verwaltungsgerichte mit Asylklagen, wofür Richter allein schon 3.000 Jahre brauchten, um diesen Berg an Asylklagen zu bearbeiten. Mittlerweile wurde es geschafft, dass der Asylklageberg nicht weiter anwächst. Allerdings sind die Verwaltungsgerichte in Deutschland immer noch lahmgelegt und können ihre eigentlichen Aufgaben, wie BaföG-Durchsetzung, Grundstücksgrenzklärung etc. gar nicht mehr nachkommen. Ebenso gibt es immer wieder Hilferufe der Polizei, weil sie längst nicht mehr Herr der Situation werden und von No-Go-Areas sprechen.

Der Flüchtlingsstrom von 2015 ist bis heute nicht verkraftet. Es wird nur nicht mehr darüber geredet. Man nimmt die Situation höchstens stillschweigend hin. Wer darüber redet, die Probleme und die Situation beschreibt oder kritisiert, wird als inhuman, als Nazi oder rechts bezeichnet. Selbsternannte Moralwächter haben in Wirklichkeit nichts im Sinn mit vielen Migranten oder wirklichen Flüchtlingen. Sie benutzen diese nur für ihre eigenen Zwecke. U. a. schadet das den wirklichen Flüchtlingen, die es auch gibt. Sie müssen lange auf Asylentscheidungen der lahmgelegten Behörden warten oder ewig in Massenunterkünften hausen. Und wie sieht die Situation in diesen Masseneinrichtungen aus? Wer sie kennt, weiß, dass Gewalt an der Tagesordnung ist, aber davon wissen Politiker nichts. Sie wollen es auch nicht wissen, die Instrumentalisierung reicht ihnen. Dasselbe trifft m. E. auch für die Medien zu. Wann lese ich schon mal Artikel über die Situation in den Flüchtlingsheimen? Und vor allem, wie geht es den wenigen Frauen dort, die den Massen an Männern ausgeliefert sind? Wer weiß schon, dass Gewalt ein alltägliches Problem in den Flüchtlingseinrichtungen ist? Liest man davon, wie es den Frauen geht? Nein! Wer Medien oder Politikern da hin? Aus den Augen aus dem Sinn.
Statt den wirklichen Asylberechtigten zu helfen, indem man ihre Situation seit 2015 hier in Deutschland nicht erschwert, müssen diese Menschen stattdessen auch noch für die inneren sozialen und politischen Probleme in Deutschland herhalten. Wenn es sich um wirkliche Flüchtlinge handelt, dann lässt man sie erstmal in Ruhe, denn sie haben ein Recht auf Schutz. Stattdessen missbraucht man sie für wirtschaftliche oder soziale Problemlagen in diesem Land. Sie sind nicht dazu da, unsere Rentenkassen zu füllen oder den Fachkräftemangel zu beseitigen. Politischen Flüchtlingen bietet man Schutz und idealerweise macht man sie so fit, dass sie bei Rückkehr in das Ursprungsland möglichst beste Startchancen haben. Aber sie sind nicht dazu da, um unsere Probleme zu lösen, wie Fachkräftemangel, Rentenstabilität und Geburtenrate.

copyright © Initiative an der Basis/Martyn Ringk

VIDEO: Veranstaltung HAMBURG am 2.2.2020: Totalitäre Strukturen: Iran, Islam, Migration. Verrät Deutschland Freiheit? (International Women Power+Initiative an der Basis)

IWP+INi-B LOGOE I N L A D U N G

Veranstaltung von der Initiative an der Basis + International Women in Power

Totalitäre Strukturen: Iran, Islam, Migration.
Verrät Deutschland Freiheit?

Sonntag, 02.02.2020 um 13.00 Uhr in Hamburg

Die Auswirkungen der Migration und somit der zunehmende Einzug totalitärer Strukturen beherrscht die Medien. Doch selten kommen diejenigen zu Wort, die direkt an der Basis damit zu tun haben, die genau wissen, was falsch läuft und warum. Das wollen wir ändern.

Initiative an der Basis: https://basisinitiative.wordpress.com/

Wir sind Lehrer, Erzieher, Ehrenamtliche, Sozialarbeiter, Heimleiter, Jobcenter-Sachbearbeiter, Dolmetscher, Übersetzer, Polizisten, Ärzte, Psychologen etc., die haupt- oder ehrenamtlich mit Flüchtlingen und Migranten arbeiten. Wir sehen die Migrationspolitik kritisch und fordern einen sofortigen Aufnahmestopp in Deutschland. Dieser sollte für mindestens 3 Jahre gelten, um den Ist-Zustand zu evaluieren und anschließend informiert und adäquat zu handeln.
So schaffen wir das nicht!

International Women in Power: https://www.internationalwomenpower.com/

Wir sind Exil-Iranerinnen, Oppositionelle und Betroffene und setzen uns für universelle Frauen- und Mädchenrechte, Gleichberechtigung und die berufliche Chancengleichheit von Frau und Mann ein.
Unser Ziel ist es, dass Frauen sich nicht nur für Chancengleichheit in Deutschland einsetzen, sondern auch für ihre Herkunftsländer und alle anderen Länder, in denen Gleichberechtigung, Rechte der Frauen, Mädchen und Kinder, sowie Menschenrechte nicht eingehalten werden.

Hintergrund:

Mit großer Besorgnis beobachten wir die schwindende Freiheit von vor allem Frauen und Mädchen in der islamischen Welt, die unter der Knute der islamischen Scharia leiden. Es ist nicht von der Hand zu weisen, mit zunehmendem Migrationsdruck ist auch Europa hiervon spürbar betroffen. Undemokratische, frauenverachtende, homophobe und antisemitische Haltungen nehmen immer bedrückendere Formen an. Während aber hier in Deutschland das Kopftuch sogar als ein Zeichen der femininen Selbstbestimmung gefeiert wird, landen Aktivistinnen, die im Iran ohne Kopftuch auf die Straße gehen, im Gefängnis.

Totalitäre Regime verfolgen seit Jahren eine mehrstufige Strategie der Einmischung in Ländern und Gesellschaften und verbreiteten mit ihren religiösen und kulturellen Institutionen ihre äußerst totalitären radikal-islamischen Ideologien. . Die deutsche Bundesregierung unterstützt nicht nur diese alarmierende Verbreitung von totalitären Herrschaftsideologien und -strukturen, sondern ignoriert dabei konsequent die fatalen Auswirkungen auf unsere tradierte Lebens- und Wertegemeinschaft. Was können wir tun?

* Anmeldung: Initiative.an.der.Basis.2020@gmail.com

Ansprechpartnerinnen:
Frau Rebecca Sommer von der Initiative an der Basis
Frau Hourvash Pourkian von International Women in Power

SWR1-Interview mit Mutter Marianne Metzger von ermordeter Tochter Anne und Enkelsohn Noah von einem Algerier (Initiative an der Basis)

Mutter Marianne Video-Interview im SWR1:

https://www.swr.de/swr1/bw/swr1leute/Kuenstlerin-Marianne-Harms-Metzger,marianne-metzger-100.html?fbclid=IwAR35G1IoHnBO1AXiei-vyLeIuKAHojzz4K9QzxQD8fV5MNhMh2Qnt4J2bQM

Marianne, Mutter von Anne und Noah, die von einem Algerier ermordet wurden, ist Teil von unserer Initiative an der Basis (https://www.facebook.com/InitiativeBasisgruppe/)

Mutter Marianne hat über Monate in unserer Norddeutschlandgruppe an unserem Forderungskatalog mitgearbeitet.

Diesen fast 50 Seiten langen “work-in-progress” Forderungskatalog kann man hier lesen, bzw. auch als pdf downloaden: https://basisinitiative.wordpress.com/unsere-forderungen/

Wer ist die INITIATIVE AN DER BASIS?
Wir sind Lehrer, Erzieher, Ehrenamtliche, Sozialarbeiter, BAMF-Übersetzer und Dolmetscher, Justizangestellte, Psychologen, Ärzte, Polizisten sowie säkular und kritisch eingestellte Flüchtlinge und Migranten. Wir alle sind Engagierte, die haupt- oder ehrenamtlich mit Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten und haben teilweise selber einen Migrations-hintergrund.

Wir sind die Menschen, die die Folgen der Zuwanderung direkt erfahren.

Wir sind diejenigen, die unmittelbar in ihrer alltäglichen Praxis erleben, was das friedliche und freie Zusammenleben in unserer demokratischen säkularen Gesellschaft bereichert, aber auch gefährdet und bedroht.

Wir beobachten eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft und zugleich das Eindringen extremistischer Positionen von den Rändern in die Mitte der Gesellschaft.

Die Migration und ihre Folgen beherrschen die Medien, aber selten kommen diejenigen zu Wort, die täglich an der Basis damit zu tun haben, genau wissen, was falsch läuft und wie man es besser machen könnte. Das wollen wir ändern.

Wir wollen gemeinsam als breite Basis Probleme benennen, Zusammenhänge aufzeigen und Forderungen an die Gesellschaft, Medien, Behörden und Politik, als auch an Flüchtlinge und Parallelgesellschaften formulieren. Wir sind im Grunde nicht erpicht auf mediales Interesse. Uns ist klar, dass auch wir Gefahr laufen, mutwillig missverstanden und medial hingerichtet zu werden, aber wir wollen trotz allem nicht länger schweigen. Die Lage ist zu ernst, um weiter ignoriert zu werden.

 

 

Islamkritik: Ein 5000-Euro-Maulkorb für eine deutsche Lehrerin von der Initiative an der Basis

Von Birgit Gärtner

Weil sie den mutmaßlichen Suizid einer 17jährigen zum Anlass nahm, um Cybermobbing, Doppelmoral und den strengen Moralkodex in vielen muslimischen Communities zu thematisieren, soll eine Pädagogin 5.000€ Strafe wegen „übler Nachrede“ zahlen.

Amtsgericht Herford (Quelle: Tobi-hf, CC BY-SA 3.0 de)

Eine 17jährige Schülerin wird am 13. Januar 2019 in der ostwestfälischen Stadt Herford von einem Nahverkehrszug überrollt und getötet. Vermutlich handelt es sich um Selbstmord.

Es stellt sich die Frage nach dem Warum. Diese Frage formulierte auch etwa zwei Wochen später eine Gesamtschullehrerin aus Herford zunächst auf ihrem Facebook-Account und dann auch gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern in der Oberstufe. Sie diskutierte anhand des Falls über Cybermobbing sowie den gesellschaftlichen Druck, der gerade auf jungen Frauen lastet. Vor allem in muslimischen Communities, wie jene, in denen die Eltern des Mädchens sich offenbar bewegen – wenngleich sie augenscheinlich nicht nach den dort herrschenden strengen Normen und Werte leben und diese auch nicht ihrer Tochter oktroyierten.

Obwohl die Lehrerin den Fall lediglich exemplarisch behandelte und den Namen des Mädchens und auch der Familie nicht nannte, hat die Unterrichtsstunde für sie nun möglicherweise drastische Folgen: Den Eltern des Mädchens war die von der Lehrerin angestoßene Debatte zu Ohren gekommen, sie fühlten sich in ihrer Ehre verletzt und zeigten die Pädagogin wegen „übler Nachrede“ an. Das Amtsgericht Herford verurteilte sie daraufhin zu 5.000,- € Strafe. Dagegen beschreitet sie nun den Rechtsweg. Die Hauptverhandlung soll noch im Dezember stattfinden.
Tragische Umstände

Es kam wohl vieles zusammen in dieser Lebensgeschichte, die mit dem tragischen Tod des Mädchens endete: Cybermobbing und der strenge Moralkodex einer orthodoxen muslimischen Community, dem vor allem Frauen und Mädchen unterworfen werden. Hineingeboren in die türkisch-muslimische Community führte die 17jährige offenbar ein Leben wie die meisten Gleichaltrigen auch, sie pflegte Kontakte und besuchte Partys. Auf der Silvesterparty 2018/19 dürfte eine Fotoaufnahme von ihr entstanden sein, auf der sie gar nicht oder nur spärlich bekleidet zu sehen sein soll. Dieses Material wurde dann über Wochen in sozialen Medien verbreitet.

Eine Erfahrung, die viele Mädchen in dem Alter oder junge Frauen machen. Eine Situation wird ausgenutzt, und sie werden anschließend gnadenlos erpresst oder der Lächerlichkeit, Häme und Hetze preisgegeben. Immer noch ist es ein Unterschied, ob Mädchen über die Stränge schlagen, möglicherweise weil sie unter Alkohol oder Drogen standen – oder gesetzt wurden – oder Burschen. Mehr als Jungs sind Mädchen durch solche Aufnahmen der gesellschaftlichen Ächtung ausgesetzt. Das ist in der Mehrheitsgesellschaft so, noch stärker jedoch in vielen muslimischen Kreisen. Und wohl auch in denen um die Herforder DITIB-Moschee, die im April 2018 in die Schlagzeilen geriet, weil dort kleine Kinder in einem „Theaterstück“ in Militärkleidung aufmarschierten.

Die Aufnahme aus der Silvesternacht kursierte also offenbar unter den Jugendlichen in Herford, auch bei Schülerinnen und Schülern anderer Schulen. Doch erst nach dem Tod des Mädchens wurde darüber lauter gemunkelt, sodass es zu einem Thema werden sollte, über das offener geredet und infolgedessen über mögliche Zusammenhänge mit dem Suizid spekuliert wurde. Am Todestag des Mädchens, einem Sonntag, soll zudem deren Familie und die Verwandtschaft diese DITIB-Moschee besucht haben. Bis dahin, so schreibt das Westfalen-Blatt, habe die Familie von den Aufnahmen nichts gewusst – in der Moscheegemeinde erhitzten sich jedoch möglicherweise die Gemüter. In Erzählungen von Jugendlichen fielen Begriffe wie „Schlampe“, „Hure“, Ehre“ und „Schande“, mit denen das Mädchen und auch deren Familie bedacht worden sein soll.
Der Fall wird im Unterricht besprochen

Auch in der Schülerschaft ihrer Gesamtschule nahm die betreffende Lehrerin die Gerüchte wahr, versuchte ihnen Einhalt zu gebieten, den Fall einigermaßen zu rekonstruieren und in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Realitäten zu setzen – und eben auch mit der Lebenswelt von Frauen und Mädchen in streng muslimischen Communities. Sie sieht eine Verantwortung für den Suizid bei jenen, die diese Aufnahmen machten, bei jenen, die sie verbreiteten und, so die Gerüchte stimmen, auch bei der DITIB-Moscheegemeinde, die eventuell Druck auf die Familie des Mädchens ausgeübt haben könnte, und die diesen Druck an sie weitergab, sodass sie vielleicht keinen anderen Ausweg als den Suizid sah.

Darüber machte die Lehrerin sich zunächst auf ihrem Facebook-Account Gedanken. Diesen Text, den sie am Morgen des 25.01.2019 veröffentlichte, kopierte sie für ihren Unterricht als Arbeitsblatt. Dieses Arbeitsblatt befindet sich nun offenbar in der Gerichtsakte und trug zu der Verurteilung bei. Ihren Facebookbeitrag vom frühen Morgen sperrte sie noch am selben Tag und machte ihn für die Öffentlichkeit unzugänglich. Allerdings waren zu dem Zeitpunkt bereits Screenshots davon angefertigt und weiter verbreitet worden.
Cybermobbing zerstört Menschenleben

Was letztlich genau dazu führte, dass die 17jährige sich das Leben nahm, lässt sich wohl nicht mehr gänzlich klären. Bekannt aber ist, dass Cybermobbing in vielen Fällen Selbstmordgedanken bei den Betroffenen auslöst.
Selbstmordrate bei muslimischen Mädchen sehr hoch

Bekannt ist auch, dass schon vor Jahren die hohe Suizidrate bei Mädchen aus muslimischen, insbesondere türkischen bzw. kurdischen Communities diskutiert wurde. Laut einer Studie der Berliner Charité war die Selbstmordrate türkischer Mädchen im Jahre 2010 doppelt so hoch wie die ihrer nichttürkischen Altersgenossinnen. Die Selbstmordrate bei türkisch-stämmigen Migrantinnen liegt laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation im Raum Würzburg fünfmal höher als bei deutschen Frauen.

Bekannt ist auch, welchen Druck das Umfeld auf eine Familie ausüben kann, wenn ein – meistens weibliches Mitglied – „Schande“ über die Familie bzw. Community gebracht hat. Neuere Untersuchungen zu dem Thema sind nicht bekannt. Auch gibt es keine öffentlich wahrnehmbaren Studien zu den Hintergründen von Selbstmorden, insbesondere bei Jugendlichen, schon gar nicht bei Jugendlichen aus dem streng gläubigen muslimischen Milieu. So können aus dem dort häufig herrschenden durchaus lebensbedrohlichen Moralkodex resultierende Gefahren elegant unter den Teppich gekehrt werden. Eine Lehrerin, die den Teppich lüftet, stört da offenbar.

Sollte die Lehrerin tatsächlich zu einer Geldstraße verurteilt und womöglich von der zuständigen Schulbehörde sanktioniert werden, wäre das verheerend nicht nur für die betreffende Pädagogin, sondern für die Meinungsfreiheit allgemein, vor allem aber für den Schulbetrieb. Denn wo, wenn nicht dort, sollen Jugendliche lernen, unsere Gesellschaft in all ihren Facetten zu reflektieren? Wo, wenn nicht in der Schule, sollen sie lernen, dass der im Grundgesetz verankerte Gleichheitsgrundsatz auch für Frauen gilt – auch für Mädchen aus dem fundamental-islamischen Milieu?

Wenn aber Lehrkräfte mit Disziplinierung und Geldbußen rechnen müssen, wer wird es dann künftig noch wagen, solche Themen offen anzusprechen?

VIDEO: Veranstaltung von Aufbruch 2016 mit der Initiative an der Basis und der WertUnion zu Gast: “AUFNAHMESTOPP JETZT! Neuorientierung in der Migrationspolitik gefordert!”

VIDEO von der öffentlichen Veranstaltung der überparteiliche Bürgerinitiative “Aufbruch 2016 Rhein Neckar” vom 17. September 2019:
Die überparteiliche Bürgerinitiative “Aufbruch 2016 Rhein Neckar” hat am 17. September 2019 zu einer Gesprächsrunde mit Gästen der Initiative an der BASIS sowie der WerteUnion eingeladen:
Die INITIATIVE an der BASIS fordert:
A U F N A H M E S T O P P.   J E T Z T !
Neuorientierung in der Migrationspolitik gefordert!
Videomittschnitt von der gesamten Veranstaltung (s.u. im Text Kurzvideo)

Die Initiative an der Basis ist ein bundesweites Bündnis von Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Flüchtlingen und Migranten arbeiten.
Die Initiatoren kommen aus unterschiedlichen Berufen (Lehrkräfte, ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen, BAMF-Übersetzer und Dolmetscher, Justizangestellte, PsychologInnen, Ärzte und Polizisten, etc., sowie Geflüchtete und Migranten), die die jetzige Asyl & Migrationspolitik kritisch beurteilen.
Die INITIATIVE an der BASIS fordert:
A U F N A H M E S T O P P.   J E T Z T !
Neuorientierung in der Migrationspolitik gefordert!
Sprecher von der Initiative an der Basis:
Christiane Soler, ehemalige Flüchtlingsbegleiterin
Monika Bender, ehemalige Vermieterin an 20 Flüchtlinge
Dr. Ileana Vogel, Unfallchirurgin
Fabian Pöhler, Hauptamtlicher Flüchtlingsbegleiter
Rebecca Sommer, ehrenamtliche Flüchtlingsbegleiterin
—————–
Gastsprecher Imad Karin, Filmemacher
——-
Die WERTEUNION fordert:
JETZT DIE POLITIKWENDE SCHAFFEN!
Sprecher von der WerteUnion:
Alexander Mitsch, Vorsitzender der WerteUnion,
Prof. Dr. Fritz Söllner, TU Ilmenau, WerteUnion
——-
Moderator: Dr. Gunter Zimmermann, Aufbruch 2016

———————-

Kurzvideo:
ERFAHRUNGSBERICHT + Forderungen von Sozialpädagogen und Flüchtlingsbegleiter Fabian Pöhler, gefolgt von gekürzten Fragen&Antworten:

ERFAHRUNGSBERICHT + Forderungen von Dr. Ileana Vogel, gefolgt von gekürzten Fragen&Antworten in Sache GEZ Gebühren, Medienlandschaft, Meinungsfreiheit, mit einem Abschlusswort von Christiane Soler, warum ein respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Meinungen das A und O einer Demokratie ist, und wie wir uns in der Initiative daran halten.